Author Topic: Allgemeine Stellungnahme gegen Populismus  (Read 1931 times)

hellboy

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Allgemeine Stellungnahme gegen Populismus
« on: 2014, 03, 19; 16:40:02 »
Nach der richtigen und nötigen Distanzierung von rechtem Gedankengut, scheint es an der Zeit, daß sich die Piraten vom Populismus, egal ob links oder rechts, ebenfalls klar distanzieren.

Die Piraten wollen mithilfe der von ihnen genutzten technischen Mittel die Politik völlig neu gestalten. Sie wollen echte, gut ausgearbeitete Konzepte propagieren, keine leeren Slogans. Sie wollen die Menschen informieren und überzeugen, und nicht mit billiger Stimmungsmache auf Wählerfang gehen. Sie wollen ehrlich und transparent ihr Programm erarbeiten, und sich nicht von Erfolgshunger zu leeren Versprechungen hinreißen lassen. Und schließlich wollen sie im ehrlichen Dialog auch mit politisch Andersdenkenden zu klaren Standpunkten finden, und sich nicht in das alltägliche persönliche und populistische Hick-Hack der gewöhnlichen politischen Akteure hineinziehen lassen.

Für die Piraten hat sich generell die politische Einteilung in das klassische Links/Rechts-Schema überholt. Beispiel: Sündenböcke gibt es sowohl bei "Linken" als auch bei "Rechten": Bei den "Linken" sind es die Banken, USA, Finanzindustrie ... - bei "Rechten" sind es Ausländer, Muslime, Leute die das klassiche Familienbild zerstören etc.

"Hier geht es um die Frage, wie Inhalte der Politik weitergegeben und präsentiert werden. Merkmale von Populismus als Strategie sind emotionale Kampagnen, in denen vereinfachende Lösungen auf komplexe Probleme gegeben werden. Oftmals beinhaltet diese Form des Populismus eine opportunistische Politik, deren Hauptziel es ist, hohe Wähleranteile zu erhalten. http://de.wikipedia.org/wiki/Populismus#Populismus_als_Strategie In der populistischen Politik wird also auf Kosten hoher Wähleranteile das "eigentlich sinnvolle" vernachlässigt.

Dazu gilt es mit der Schaffung einer Infrastruktur zum strukturierten Austausch von Argumenten/Studien/Informationen/Expertenmeinungen etc. der vereinfachten Darstellung politischer Themen entgegenwirken; je mehr man es schafft, Leute dazu zu bringen nur rationale Argumente zu verwenden, desto weniger Chancen hat Populismus. Man muss den Spagat zwischen "alles an Information kann abgebildet werden" und "die Information muss rational sein" schaffen. Zum Teil indem man manche Argumentationsstrukturen vorgibt (z.B.: Was ist das Problem, welche Lösungsalternativen gibt es, welche Studien gibt es dazu - was sind die Auswirkungen dieser Lösungsalternativen, welche Gründe haben Experten, sich für eine dieser zu entscheiden). Im wesentlichen kommt es ja bei fast allem auf 2 Punkte an: Ist-Situation (korrektes feststellen notwendig) und Soll-Situation (man muss die Auswirkungen objektiv abschätzen). Im Idealfall sollte sich dann die Abstimmung nur darum drehen, welche Auswirkungen man bevorzugt und welche nicht, aber die Auswirkungen sollten "objektiv festgestellt" werden. Auch muß ein Mittelweg zwischen allgemein verständlicher Formulierung und nötiger sprachlicher Präzision gefunden werden. Es gilt also: sowenig information wie möglich, aber trotzdem soviel wie nötig. In solchen Fällen muss man so viel Vertrauen aufgebaut haben, dass man den Leuten sagen kann "hey, es ist zwar zu kompliziert, das zu erklären, aber hier habt ihr einen langen Text der es erklärt und ihr könnt uns vertrauen dass wir versuchen, das beste zu erreichen".

"Oft wird auch jede politische Forderung polemisch als Populismus bezeichnet, die dem echten oder vermuteten Mehrheitswillen der Bevölkerung entspricht, aber im Widerspruch zu eigenen Zielsetzungen steht, besonders wenn diese unpopulär sind, aber (tatsächlich oder vorgeblich) aus „höherer Einsicht“ resultieren. Dies wird von Kritikern als gestörtes Verhältnis zur Demokratie gewertet." (Wikipedia) Die Piraten wollen tatsächlich diese "höhere Einsicht" erlangen. Die Frage stellt sich also, wie man Argumente statt Slogans bingt, ohne daß es ein billiger Slogan ist. Wir denken, indem man die Begründung statt den Inhalt verwendet - Um das beste für die Menschen erreichen zu können, müssen wir die besten, nicht die kürzesten Konzepte entwickeln.

Was man auf keinen Fall verwechseln darf ist Populismus und gutes Marketing. Es ist tatsächlich möglich, Inhalte korrekt und trotzdem reißerisch, verkürtzt und dennoch korrekt wiederzugeben. Charismatische Menschen können ein großes Publikum auch mit sperrigen Themen unterhalten, ohne Tatsachen zu verfälschen oder das zu sagen was gerade als populär gilt. Sie können Fakten transportieren ohne zu langweilen. Leider wird gerade das zu oft mit jenen politischen Marktschreiern gleichgesetzt, deren einziges Ziel es ist, mit simplen Aussagen und Appellen an den sogenannten Hausverstand die Menschen hinters Licht zu führen. Wer für komplexe Probleme sinple Lösungen anbietet ist ein Scharlatan, und die Piraten lehnen es ab, sich derartiger Scharlatanerie zu bedienen. Wir suchen nach der Wahrheit, und versuchen diese so korrekt und effektiv wie möglich zu kommunizieren. Und die Wahrheit muß immer auf Fakten basiseren, niemals auf Vermutungen oder dem Zeitgeist.

Querverweis: Ideologiefreiheit

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alter Text, ein wenig ergänzt, und aktueller denn je.

ahoy
hellboy
« Last Edit: 2015, 05, 27; 20:25:41 by hellboy »
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Re: Allgemeine Stellungnahme gegen Populismus
« Reply #2 on: 2014, 10, 08; 18:09:00 »
Um Populismus zu vermeiden braucht es kritischer Auseinandersetzung mit Themen jeder Art. Zur kritischen Betrachtung der Wissenschaft bekennen sich einige Initiativen im Netz. Glaubwürdig sind sie nicht alle. So ist zB das beliebteste Nachschlagewerk Wikipedia mittlerweile von unterschiedlichsten Interessengruppen unterwandert, und hat seine Glaubwürdigkeit verloren, da dort in vielen Fällen falsche Informationen und Propaganda platziert wurden.

Was sich ganz gut anhört, ist das Grundsatzprogramm der sciencefiles, auch wenn es ziemlich lang ist.

Quote from: sciencefiles
Was ist “kritisch” an kritischer Wissenschaft?

Wie die Kommentare von Lesern dieses blogs, der seit fast einem Jahr besteht, gezeigt haben, sind die Erwartungen darüber, was ein blog über “kritische Wissenschaft” Lesern zu bieten hat, durchaus unterschiedlich:

  • Für die einen hat “kritische Wissenschaft” anscheinend eine ziemlich vage Bedeutung, die im Wesentlichen darin besteht, Position gegen dem Zeitgeist entsprechende Positionen zu beziehen, wobei “Wissenschaft” allerdings in den Hintergrund zu treten scheint und “kritisch” mehr oder weniger als dem Mainstream entgegengesetzt aufgefasst wird.

  • Andere fühlen sich mit “kritischer Wissenschaft” an die sogenannte “Kritische Schule” der Soziologie, die in den 1960er- und 1970er-Jahren an der Universität Frankfurt etabliert war, erinnert.

  • Und wieder andere assoziieren mit “kritischer Wissenschaft” eine Kritik an der Wissenschaft, wie sie derzeit in Deutschland in institutionalisierter Form betrieben wird.

Obwohl die Inhalte dieses blogs – von Fall zu Fall verschieden – Verbindungen zu all diesen Auffassungen von “kritischer Wissenschaft” haben, ist keine von ihnen diejenige, die die Betreiber dieses blogs bei seiner Konzeption zugrunde gelegt haben und die nach wie vor ihre Präsentation des blogs inspiriert. Entsprechend haben wir ein Grundsatzprogramm erstellt, dessen Ziel darin besteht, die Grundlagen kritischer Wissenschaft  zu beschreiben und ihren Nutzen für die Diskussion miteinander ebenso wie den Diskussion über Probleme aufzuzeigen. Da Grundsatzprogramme zumeist die Angewohnheit haben, länger zu werden als man auf einmal lesen möchte, gibt es unser Grundsatzprogramm in Happen (was es auch leichter verdaulich werden lässt). Tatsächlich sind die beiden Merkmale, die den “Geist” dieses blogs ausmachen:

  • kritisches Denken und
  • methodisches Arbeiten,

die gemeinsam “Wissenschaft” ausmachen oder ausmachen sollten – zumindest nach dem Verständnis der blog-Betreiber.

Dabei verstehen wir unter “Wissenschaft”
Quote
einen systematischen und kontrollierten Forschungsprozess, der darauf abzielt, folgerichtig aufgebaute Hypothesen über Zusammenhänge auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu prüfen, um auf diese Weise zu (relativ bzw. vorerst) gesichertem Wissen zu kommen.

weiter

Hervorheben möchte ich noch eine Stelle, die mir besonders gefällt:

Quote from: sciencefiles
Zu den Dispositionen oder Grundeinstellungen, die kritisches Denken auszeichnen, gehören u.a.

die Akzeptanz der Tatsache, dass es richtige und falsche Behauptungen gibt
Dabei kann “richtig” zweierlei bedeuten, nämlich “logisch korrekt” oder “zutreffend” im Sinn von “mit der beobachtbaren Realität übereinstimmend”. Falsch ist dann, was nicht logisch korrekt ist oder nicht mit der Realität übereinstimmt.

die Auffassung, dass es notwendig ist, Behauptungen zu begründen und durch Tatsachen zu stützen, wenn diese Behauptungen von anderen akzeptiert werden sollen
Plötzliche Bewusstseinserweiterungen und in diesem Zustand gewonnene subjektive Erkenntnisse können ebenso wie selbst gemachte Erfahrungen von dem, der sie erlebt, als große Bereicherung empfunden werden, aber sie sind nicht mitteilbar und “sprechen” daher zu niemandem sonst.

eine prinzipiell offene Haltung gegenüber Positionen, egal, aus welchem weltanschaulichen “Lager” sie kommen mögen
Wenn man Positionen ablehnt, weil sie aus Voraussetzungen abgeleitet sind, die man nicht teil, oder von Personen vorgebracht werden, die man nicht mag (weil sie anders sprechen, aussehen oder eben denken, was sie denken), zeigt dies ziemlich deutlich, dass man die eigene Position als so schwach begründet betrachtet, dass sie ohnehin nur denjenigen mitteilbar bzw. nachvollziehbar ist, die sie schon teilen – und worin, bitte, liegt dann der Wert der Mitteilung dieser Position? Im Rahmen kritischen Denkens besteht der Anspruch, Argumente, auch oder gerade denen mitteilen zu können, die sie nicht ohnehin schon akzeptieren, und zu versuchen, diese Personen in argumentative Schwierigkeiten zu bringen (so dass sie am Ende die Argumente akzeptieren müssen oder wollen).

So muß auch Politik sein. Vor allem die Politik von uns Piraten, weil genau das unser ursprüngliches Versprechen war. Keine Ideologie, keine Dogmen, nur faktenbasiertes Handeln.

ahoy
hellboy
« Last Edit: 2014, 10, 08; 18:18:16 by hellboy »
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Re: Allgemeine Stellungnahme gegen Populismus
« Reply #3 on: 2014, 10, 26; 18:08:26 »
Querverweis Ideologiefreiheit eingefügt

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