Author Topic: Die Diktatur der Nervensägen  (Read 476 times)

hellboy

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Die Diktatur der Nervensägen
« on: 2016, 09, 27; 21:49:18 »
Die Diktatur der Nervensägen

Sie ist in aller Munde, die vielbeschworene Politikverdrossenheit. Als Gründe werden meist die mangelnden Möglichkeiten der Wähler auf die Politik Einfluß zu nehmen und der ach so rüde Umgangston in der Politik genannt. Doch das ist nicht alles.

Die Politikverdrossenheit ist zum Teil beabsichtigt, bedingt sie doch auch die Frustration der Kritik, die auf taube Ohren stößt und irgendwann zu deren Verstummen führt, und eine wachsende Gleichgültigkeit gegenüber den Machenschaften der Mächtigen. Darum ist man jetzt dazu übergegangen, Kritische Bürger und Journalisten gezielt aus dem politischen Diskurs zu trollen.

So berichtet heise.de:

Quote from: Heise
Sockenpuppen aus Österreich: Foren gezielt manipuliert

Ein österreichische PR-Agentur soll mit zehntausenden Fake-Accounts gezielt Kommentare in Foren gestreut haben, die die Auftraggeber in besseres Licht rückt. Das geschah im Dienste gewichtiger Kunden.

Eine Wiener PR-Agentur namens Mhoch3 hat offenbar im großen Stil versucht, durch vermeintliche Nutzerpostings die öffentliche Meinung in Onlineforen zu beeinflussen. Laut Recherchen des Magazins Datum standen dahinter prominente Auftraggeber wie etwa die konservative Partei ÖVP, die staatliche Eisenbahngesellschaft ÖBB, die Bank Austria, das Reise-Unternehmen TUI Österreich, der Pharmakonzern Bayer Austria, aber auch Kunden außerhalb des deutschen Sprachraums wie der britische Anbieter Paysafecard.

Der Bericht bringt mehrere Beispiele solcher Kommentare von Fake-Nutzern, zum Beispiel 2009 anlässlich der Studierendenproteste "unibrennt" über den damaligen Bildungsminister Hahn (ÖVP): "Ich finde es toll, dass Hahn, obwohl er selber anscheinend nicht so protestieren würde, doch Verständnis für die Proteste und die Besetzung hat. Nun bleibt es zu hoffen, dass dieser Konflikt bald gelöst wird – Letztendlich bemüht sich Hahn doch darum.“

80.000 bis 100.000 Kommentare pro Jahr

"Wir machen Meinung", verspricht die Agentur. Vergrößern Datum schätzt, dass die Agentur mehrere zehntausend solcher Fake-Accounts angelegt haben könnte. Eine Liste von 2012 verzeichne rund 10.000 Profile, dazu noch 2000 für internationale Foren, wobei die Agentur wohl Online-Meinungspflege in mindestens sechs Sprachen anbietet. Die jährliche Leistung wird auf 80.000 bis 100.000 solcher Kommentare geschätzt. Die seit zehn Jahren aktive Agentur unterhält dafür offenbar einen Stamm von freien Mitarbeitern, die nicht vom Büro aus posten dürfen, damit die IP-Adressen keinen Verdacht erregen.

Agenturchef Martin Kirchbaumer bezeichnete die Poster gegenüber Datum als "Onlinejournalisten“, die recherchierten, sich eine Meinung bildeten und sie äußerten. Die Agentur habe aktuell vierzig Angestellte und beschäftige eine dreistellige Anzahl solcher "Online-Journalisten“. Das verdeckte Vorgehen begründete Kirchbaumer damit, dass einem offen auftretenden "Firmenvertreter nichts geglaubt wird“. Dabei gehe es nicht um Irreführung, sondern um Aufklärung über wahre Inhalte, was von der Zielgruppe auch gewünscht werde, betonte er.

"Du schläfst nicht so gut"

Datum zitiert auch ehemalige "Onlinejournalisten“, die diese Praktik etwas anders bewerten: "Wenn du einem Spielsüchtigen in einem Wettforum vorgelogen hast, dass du seit Jahren gut vom Onlinezocken lebst, dann schläfst du nicht so gut." Mhoch3 dürfte jedenfalls nicht die einzige Agentur sein, die so vorgeht: 2013 wurde etwa das Vorgehen des Anbieters Wiki PR publik, der Wikipedia-Einträge von mindestens 300 Fake-Profilen aus verschönerte. (axk)

Das Trollen im Internet wurde ursprünglich vom Hackerkollektiv Anonymus erfunden.
https://m.youtube.com/watch?v=kO3vIQw0WMs
Was anfangs nur harmloser Spaß im Netz war, enthüllte sein Potential im Kampf gegen rechtsradikale Radiomoderatoren und die kriminelle Gehirnwäschesekte Scientology in den USA. Grundlage deren Methoden waren die technischen Fähigkeiten der Aktivisten, und die Tatsache, daß die Aktivisten im der Masse scheinbar unendlich viel Zeit in ihre Aktionen investieren konnten. Doch jetzt werden sie ausgestochen von Leuten, die hauptberuflich ihre Zeit in solche Aktionen investieren, im Auftrag von Leuten, die nahezu beliebig viele Angestellte dafür rekrutieren können. Davon hat ja @Hawaiipiraten von Österreich hier bereits berichtet.

Auch das Nachschlagewerk Wikipedia ist betroffen

In der Wikipedia kommt es vermehrt zu sogenannten „edit wars“, im Zuge derer bezahlte und auch freiwillige Anhänger einer bestimmten Ideologie die frei veränderbaren Seiten entsprechend ihrer gewünschten Weltsicht immerwider verändern, auch wenn die dortigen Moderatoren das wieder richtigstellen, bis die Seiten für die öffentliche Bearbeitung gesperrt werden müssen. Doch damit endet es nicht, es werden dann einfach parallele Seiten erstellt, in denen wieder die selbe Desinformation verbreitet wird. Für ungeübte Benutzer von Wikipedia ist es dann nicht zu unterscheiden, welche der Seiten die korrekten Informationen enthält. Die Gruppen, die diese Vorgänge am öftesten verursachen sind Genderideologen, auch in der englischen Version, wie der Guardian berichtet, und bezahlte Propagandaschleudern und überzeugte Anhänger diverser Diktatoren. Mir selbst ist das zuletzt wieder vor Augen geführt worden, als ich eine Seite zu Yugoslavienkrieg in der Wikipedia gefunden habe, die die gesamte Verantwortung für alles was dort passiert ist auf eine Aggression der NATO schiebt. Der Text findet sich auch wortgleich auf einer Propagandaseite einer Lobbyorganisation von Putins Partei, also ist auch klar, wer das in der Wikipedia platziert hat. Damit ist der Status der Wikipedia durch genau das gefährdet, was sie eigentlich ausmacht, nämlich die Möglichkeit für jedermann dort zum Umfang der gespeicherten Information beitragen zu können. Auch mit der Genderfraktion habe ich meine Erfahrungen gemacht. Die schafften es sogar, daß in deutschen Fernsehmagazinen von selbsterklärten Wächtern über Wahrheit und Anstand, ja sogar dem moralischen Zeigefinger der deutschen Medienlandschaft, dem Medienmagazin ZAPP, ganze Beiträge voller Verleumdungen über mich gesendet wurden, weil ich sie für ihre Aggressivität und Dogmatik kritisiert hatte.

Blogs haben es naturgemäß besonders schwer

Die Betreiber von Blogs sind auf solche Angriffe schlecht vorbereitet, man hat dafür ja kein Personal, und weil sich natürlich niemand der sowas noch nicht erlebt hat vorstellen kann, daß es sowas überhaupt gibt, geschweige denn welche Ausmaße so etwas annehmen kann. Man will den Leuten eine Plattform bieten sich auszudrücken, und wird dann von Werbung und Propaganda überschwemmt, und hat es mit aggressiven Spinnern zu tun, die auf der jeweiligen Plattform keine eigenen Artikel schreiben, sondern nur denen die schreiben mittels massenhaft gezielter, untergriffiger und negativer Kommentare das Schreiben vermiesen wollen, weil das Geschriebene dem eigenen Weltbild nicht entspricht. Auch da gibt es bezahlte. Man erkennt sie am ungelenken und aufgesetzten Auftreten, und dem Erfüllen diverser Stereotype, die sie in ihrer Ausbildung zur Propagandaschleuder erlernen. Zunächst haben sie Avatarbilder, die Sympathie erzeugen sollen, meist süße Terbabys mit Hundeblick, oder Bilder von knapp bekleideten Inernetgrazien, die diese zur freien Verfügung ins Netz stellen. Sie geben sich erst konziliant und diskussionsbereit, aber wenn man ihre Propaganda mit Fakten und Argumenten widerlegt werden sie ganz schnell persönlich, und kennen keine Grenzen der Untergriffigkeit und des schlechten Geschmacks mehr. Sie arbeiten mit billigen Tricks aus dem NLP, das aber nur bei Menschen mit geringer Bildung wie ihnen funktioniert. Gebildete Menschen durchschauen das sofort, was die bezahlten Trolle dann völlig aus der Fassung bringt, und dazu den anderen genau das zu unterstellen, was sie selbst machen, nämlich Quellen ignorieren, banale Tatsachen in Frage stellen, längst widerlegte Dinge immerwieder als Argument anführen, kurz alles was es im NLP-Arsenal so gibt, inklusive den anderen die Verwendung von NLP zu unterstellen. Sie müllen hemmungslos Kommentarfunktionen mit seitenweise sinnentleertem Spam zu, und nehmen damit Moderation, Autoren und Lesern der Blogs mit der zeit die Lust am Weitermachen. Auch der Blogger Hadmut Danisch berichtet von solchen Erfahrungen:

Quote
Von der enormen Schwierigkeit, in diesen Tagen ein Blog zu führen

Dieses Blog besteht seit 9 Jahren, nächstes Jahr würde ich 10-jähriges Jubiläum feiern. In den ersten 9 Jahren ist mir das Führen dieses Blogs so leicht gefallen, hat mir immer Spaß gemacht, die Finger wollten von selbst an die Tastatur.

Das ist nicht mehr so.

Seit einigen Wochen, vielleicht Monaten, empfinde ich das Bloggen – nee, eigentlich nicht mal das Bloggen an sich, sondern das Moderieren und überhaupt den Umgang der Öffentlichkeit mit Blogs – als Belastung und als Last. Der Teil des Bloggens, der mit anderen Menschen zu tun hat, macht keinen Spaß mehr.

Wir sind – allgemein, nicht nur dieses Blog, in der kommerziellen „großen” Presse ist das ja auch nicht anders – in einem Gesellschaftszustand angekommen, in dem es eigentlich nur noch um den Krieg Linke gegen Rechte geht, nur noch darum, ob man gegen Flüchtlinge ist oder gegen solche, die gegen Flüchtlinge sind. Es sind eigentlich nur noch zwei Kriegsparteien aktiv, die völlig hirnlos und fanatisch auf ihr jeweiliges Feindbild eindreschen. Deutschland, das sich selbst so gerne als Land der Dichter und Denker tituliert, obwohl es vielleicht gerade mal zwei Dutzend davon gab und die lange tot sind, ist zu einer Ansammlung aggressiver Idioten verkommen.

Es gibt kein anderes Thema mehr.

Dabei hatten wir noch kürzlich erst welche. Klimawandel. Eurorettung. Griechenland. Geheimdienste. Überwachung. Rinderwahnsinn und Hühnergrippe. Staatsverschuldung erhöhen oder abbauen. Hat Politiker X in seiner Dissertation abgeschrieben oder nicht. Oder ob der Prominente Y Steuern hinterzogen hat. Ist TTIP gut für uns? Und, und, und.

Alle weg. Es geht nur noch um ein Thema.



Wobei mir das auch schon aufgefallen ist, dass sich in den Kommentaren immer mehr Rotz ansammelt. Früher habe ich (neben dem automatisierten Werbe-Spam natürlich, der ohne Schutzmechanismen bei über 1000 Postings pro Tag liegen würde) vielleicht 10 Kommentare im Jahr blockiert. Dementsprechend leicht war auch das Moderieren. In den letzten Monaten sind nicht nur die Zugriffszahlen auf mein Blog rapide gestiegen, auch die Zahl der Kommentare. Ich muss derzeit meist zwischen 100 und 200 Kommentare pro Tag moderieren. In den letzten Wochen ist jedoch die Rate der Kommentare, die ich blockiere, ebenfalls rasant gestiegen. Allein in den letzten Tagen habe ich über 100 Kommentare blockiert, und der Anteil der blockierten Kommentare lag zeitweise gar bei etwa der Hälfte.

Sowas will ich nicht.

Ich will kein Blog führen, in dem man jeden Abend Dreck ausmisten muss als würde man einen Schweinestall leerschaufeln.



Ja, ich halte sie beide, Rechte wie Linke, für das letzte Dummvolk und verachte sie beide zutiefst.

Der Unterschied ist nur, dass ich zu den Linken hingehen muss, um das Thema Feminismus zu bearbeiten, während die Rechten zu mir kommen, weil ich die Linken kritisiere. Ich habe bei Piraten, Grünen und der SPD, auch im linken Universitätsspektrum, reichlich der mit Abstand dümmsten Menschen meines Lebens vorgefunden. Aber mir auch einige der dümmsten Menschen als Kommentatoren von rechts eingehandelt.

Noch eine der wenigen Asymmetrien: Von Linken in Parteien und Universitäten bekomme ich immer vorgehalten, dass ich versuchte, in einen „Diskurs” (ich mag dieses ideologisch verbrannte Wort nicht) mit ihnen zu treten, sie das aber ablehnten. Dabei will ich das gar nicht. Was bilden die sich ein? Ich will nicht mit ihnen, sondern über sie reden. Welcher Forscher redet schon mit den Präparaten unter seinem Mikroskop? Anders die Rechten: Mit denen will ich zwar auch nicht reden, nicht mal über sie, aber die drängen mir ständig den „Diskurs” auf – und kapieren es nicht mal, wenn ich sie rauswerfe, die ziehen dann mit einer Beleidigung ab und kommen nach 3 Tagen wieder.

Wo sind all die normalen Leute geblieben?

Man hat sie verschreckt.

Wer am längsten nervt gewinnt

Das ist die ganz große Gefahr: daß die gewinnen, die am längsten und effektivsten rumnerven, bis alle anderen aufgegeben haben. Ein Kurzzeitminister der FPÖ hat davon auch einmal berichtet, ich weiß leider nicht mehr, welcher das war. Er trat nach kurzer Amtszeit zurück, nachdem er als Quereinsteiger ohne vorherige politische Erfahrrung gleich zu einem Ministeramt kam. Er berichtete, er wäre mit großen Ambitionen und dem Willen wirklich etwas zu verändern und zu verbessern in seine neue Tätigkeit gegangen. Nach kurzer Zeit hatte er allerdings festgestellt, daß man entweder im System mitschwimmt, und versucht seine Schäfchen ins Trockene zu bringen, oder von den Mühlen des Politischen Filz zermürbt wird. Die Menschen die er in der Politik kennengelernt hätte wären großteils Leute denen es nur darum ginge mit möglichst wenig Anstrengung möglichst viel Geld zu verdienen, die jene die nicht mitspielen ausschließen, mobben und schließlich so frustrieren, daß diese aufgeben, und nurnoch teilnahmslos als kleine Rädchen im System funktionieren. Er war davon so angewidert, daß er alles hinschmiss, und verlauten ließ, er wolle mit der Politik nie wieder etwas zu tun haben. Der Mann war Minister, man kann sich vorstellen wieviel Einfluß all die anderen Leute in der Politik wirklich haben, und wie wenig sie tun können, um sich gegen den Druck der Sytemerhalter zur Wehr zu setzen. Was wirklich gemacht wird, wird in kleinen Zirkeln entschieden, den Parteivorständen und den Interessenvertretern der großen Machtblöcke wie dem CV und den Bünden bei der ÖVP, der Logen und Gewerkschaften bei der SPÖ, den Burschenschaften und Verbindungen bei der FPÖ und dem Marxismus-Feminismus-Klüngel bei den Grünen, alle anderen werden dann von deren Handlangern so lange bearbeitet, bis sie allem zustimmen, was dort entschieden wurde. Daß man „für die Politik eine dicke Hat braucht“ hört man immerwieder, daß aber das Ausmaß an systematischem Mobbing und der Anfeindung gegen Abweichler ein solches Niveau erreicht hat, wird selten berichtet, und das ist wohl auch nicht erwünscht. Daraus lässt sich aber auch ableiten, daß die Beteuerungen man wolle etwas gegen die grassierenden Anfeindungen im Internet tun nur vorgeschoben sind, und alles was in diese Richtung unternommen wird auch nur der Gleichschaltung von Meinungen dienen soll.

Ein Funken Hoffnung steckt in Artikeln wie diesem in der Zeit:

Quote
Lasst die Trolle verhungern

Gegen Saboteure im Netz hilft Gelassenheit und Diskussion – viel Diskussion. VON JOCHEN WEGNER

In diesen Tagen sind viele Nachrufe zu lesen: auf die freie Rede im Internet. Das ist wohl stark übertrieben. Doch eine der wichtigsten Errungenschaften des Netzes könnte tatsächlich bald verschwinden, wenn wir nicht für sie kämpfen.

Für die demokratische Meinungsbildung ist das Netz so wichtig wie nie zuvor. Nun aber droht der digitale Diskurs am eigenen Erfolg zu ersticken: "Die Web-Trolle gewinnen, während die Grobheit zunimmt", titelt etwa die New York Times.

Trolle, das sind im Netzjargon die Störer, die nur an Debatten teilnehmen, um sie zu sabotieren. So wie jene Twitter-Nutzer, die die Tochter von Robin Williams wohl für immer von der Plattform vertrieben: Sie schickten ihr vermeintliche Fotos ihres verstorbenen Vaters, und gaben ihr die Schuld an seinem Tod.

...

Was aber, wenn es so viele werden, dass wir sie nicht mehr ignorieren können? Wenn sie nicht so einfach zu erkennen sind wie die paar Irren in den Foren?

Nirgendwo können wir so frei debattieren wie im Netz. Diese fundamentale Freiheit hat aber einen Preis. Das Internet ist heute nicht mehr nur eine Echokammer für einzelne Saboteure, sondern auch für ganze Troll-Armeen, gesteuert von Regimen wie Russland oder China, die das Netz systematisch für verdeckte Propaganda nutzen.

...

Die Utopie einer digitalen Agora, in der Gleiche mit Gleichen frei kommunizieren, ungefiltert und unverfälscht, ist in Gefahr.

Es gehört zu unseren neuen Bürgerpflichten, diese Sphäre zu schützen. Nur helfen dagegen keine neuen Gesetze, kein "Vermummungsverbot im Internet", wie einst gefordert, keine Internetpolizei. Derlei Initiativen werden genau das zerstören, was sie zu bewahren hoffen.

Die Trolle in Schach zu halten, ohne die Freiheit zu opfern, ist so einfach wie mühsam: Wir müssen uns täglich selbst einmischen. Millionen von Menschen, die zivilisiert debattieren, die falschen Informationen richtige entgegensetzen, die Störer gelassen übergehen und bei seltsamen Spam-Wellen aufmerksam werden, sind unbesiegbar. Einem aufgeklärten digitalen Bürgertum ist keine Troll-Armee gewachsen.

Wir kommen unserer Utopie nur näher, wenn wir sie selbst mit Leben füllen. Gehen Sie also jetzt auf Facebook und starten Sie eine Diskussion, wenn nicht zur deutschen Außenpolitik, dann eben über die Gentrifizierung Prenzlauer Bergs oder zur weiteren Verschönerung Papenburgs. Kommentieren Sie die aktuelle Lage in Gaza auf einer Nachrichten-Website. Die Redaktion von ZEIT ONLINE und viele andere verwenden große Leidenschaft darauf, einen zivilisierten Diskurs zu gewährleisten. Vor allem aber: Bleiben Sie gelassen, wenn nicht alles so wohltemperiert ist wie bei Anne Will. Ihr digitales Engagement ist für unsere Demokratie genauso wichtig wie das im Gemeinderat, in einer Bürgerinitiative oder Ihr Gang zur Wahlurne.

Solange das Internet frei ist, werden Trolle immer wieder kleine Siege erringen, manchmal auch große. Die Freiheit im Netz ist auch immer die Freiheit der Trolle.

Wenn immer die Klügeren nachgeben, regieren irgendwann die Dummen

Das habe ich früher auch gesagt, bis mir klar wurde, wie falsch das ist. Es ist keineswegs schlau, den Spinnern immer nachzugeben, weil die mit ihrer Dummheit alles zerstören. Auch die Meinungsfreiheit, weil sie mit ihrem unermüdlichen Absondern von unglaublich dummen Dingen all das Kluge was gesagt wird übertönen. Es ist einfach alles andere als klug, wenn jene die wissen wie es besser ginge einfach den Nervensägen das Feld überlassen, weil sie sich mit solchen Deppen nicht abgeben wollen, weil sie dann einfach nur tatenlos daneben stehen, während alles den Bach runter geht. Klug sind die, die sich der allgemeinen Verdummung entgegenstellen.

ahoy
hellboy
« Last Edit: 2016, 12, 01; 17:15:40 by hellboy »
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hellboy

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Re: Die Diktatur der Nervensägen
« Reply #1 on: 2016, 09, 27; 22:05:53 »
trolle versuchen wenn sie blockiert werden über umwege einen weiter zu ärgern, und versuchen sich in die opferrolle zu begeben, weil sie zensuriert und ausgeschlossen würden, und unterstellen einem sich in einer filterbubble zu verstecken. aber das liegt an deren technik sich immer als vertreter einer gruppe auszugeben. wenn man einen kritisiert der zufällig homosexuell ist, braucht man das nicht einmal zu wissen, es wird einem sofort homophobie unterstellt. wenn es eine frau ist ist man sexistisch, wenn man einen tiroler kritisiert hasst man plötzlich alle tiroler, und wenn es gar ein russe ist, will man jedenfalls einen krieg mit putin anfangen, mit dem man dann auch gleich bedroht wird. davon soll man sich nicht irritieren lassen. einzelne aggressive spinner zu blocken ist noch lange keine filterbubble, das dient nur der hygiene der kommentarfunktion. diese leute wollen anderen nur zeit und ernergie stehlen, und sind natürlich sauer, wenn man ihnen die möglichkeit dazu nimmt. ihr gezeter sollte musik in unseren ohren sein.

manche sagen ja "troll ist ein zu harmloses wort", aber das wort wird sogar komplett falsch verwendet, denn es bezeichnet ja eigentlich leute, die entweder harmlose späße machen, oder leute blockieren und ärgern die ihre macht ausnutzen um schwächere zu quälen. wenn jetzt bezahlte mobber auf kritische blogger losegelassen werden, sind das ja keine trolle, sondern die die eigentlich getrollt gehören. leider ist das eines von so vielen worten die das internet und die technik betreffen, deren bedeutung den meisten nicht bekannt ist, und die aufgrund der häufigen falschen verwendung jetzt eine bedutung haben, die der ursprünglichen widerspricht. arme trolle!

Quote from: Hawaiipiraten von Österreich
"Trolling" bedeutete vor zwanzig Jahren AUSSCHLIESSLICH folgendes: mutwillig ein kontroversielles Thema in die Online-Runde werfen, damit sich die Runde in die Wolle kriegt. Weiteres Eingreifen des Trolls ist dabei nicht vorgesehen. Scheinheiligkeit und Subtilität waren früher mal das Wichtigste beim Trolling.

BEISPIEL FÜR TROLLING: "Guten Tag. Ich möchte mir einen neuen Computer kaufen. Sollte ich mir eher eine Commodore Amiga oder lieber einen Atari zulegen?"

KEIN BEISPIELE FÜR TROLLING: "Du bist Dreck unterm Fingernagel"; "Ihr seid alle deppert"; "Wer Drogen nimmt ist asozial"; etc.

Mit Prosa wie "Eine kackhäutige Untermenschenmure wälzt sich über unsere geliebte Heimat" ist man KEIN Troll sondern ein HATER. Auch Morddrohungen sind kein Trolling, sondern HATING. Aber dass die Leute das auseinanderhalten ist am Internet offenbar zuviel verlangt.

http://www.urban75.com/Mag/troll.html

Wenn man ein Argument inhaltlich angreift ist man weder ein Troll noch ein Hater sondern ein Kritiker. "Die Verbindungen im CO2-Molekül haben eine genau verstandene Wirkung auf Sonnenlicht, die sich genau mit den Berechnungen und Beobachtungen deckt" ist weder Trolling noch Hating sondern ein wertvoller Diskussionsbeitrag, wenn er stichhaltig ist, was man dann weiterdiskutieren kann. "Das hat dir der Putin erzählt" oder "Du bist ein Troll der Geburtssteuer-NWO" sind keine passenden Entgegnungen dafür.

Die Diskussionskultur am Internet war bis in die frühen 90er viel besser als heute, weil das Internet ein Werk- und Spielzeug für extrem geistreiche und gebildete Menschen war, die wussten, wie man eine Debatte führt. Heute sind die meisten Menschen am Internet Durchschnittsmenschen, die von "Debatte" oder "Rhetorik" keine Ahnung haben. Für die meisten Durchschnittsmenschen ist man schon ein Bullie und Hater, wenn man sich über einen Schwachsinn lustig macht, z.B. Eso-Aberglauben, Heuchelei oder Desinormationsopfer. Spott ist allerdings kein Hating oder Trolling, sondern die angemessene Reaktion auf Schwachsinn und Schwärmerei. (Beispielsweise im britischen Parlament sehr üblich.) Für Durchschnittsmenschen, vor allem Durchschnittsdamen, bedeutet "zivilisierte Debatte" meistens, dass sich alle wertschätzend, d.h. spottfrei und ohne Angriffe auf den Inhalt, verhalten müssen, was aber ein Missverständnis ist, welches zivilisierte Debatten verunmöglicht. Für Durchschnittsmenschen ist das Ziel einer Debatte, dass jeder der Reihe nach seine Meinung äußern darf. Tatsächlich ist das Ziel einer Debatte, die Besserwisser zu ermitteln. Aus diesem Grund nehmen auf Facebook kaum mehr Leute an Debatten teil, die etwas davon verstehen: zu viele Durchschnittsmenschen, daher Zeitverschwendung.

Hier ist ein Lesetipp, leider auf Englisch. Jüngere Internet-Freunde müssen Begriffe wie "flamewar" oder "usenet" in Wikipedia nachschlagen. Der Artikel glorifiziert was Anonymous antreibt und erzählt aus den Urtagen des Internet -- Jänner 1994! Geschrieben vom damals völlig unbekannten Josh Quittner.

http://www.wired.com/1994/05/alt-tasteless/

solche standardwerke wie letzteres gehören sowieso längst auf den lehrplan. die meisten menschen bei uns bewegen sich heutzutage im internet, ohne zu wissen, was sie da überhaupt tun. jetzt völlig abgesehen davon, ob das was sie schreiben sinn ergibt.

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