Author Topic: Drogenpolitik: die Prohibition ist gescheitert  (Read 1233 times)

hellboy

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Drogenpolitik: die Prohibition ist gescheitert
« on: 2015, 05, 09; 17:42:31 »
Das PDF vom BERICHT DER WELTKOMMISSION FÜR DROGENPOLITIK

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ZUSAMMENFASSUNG

Der weltweite Krieg gegen die Drogen ist gescheitert, mit verheerenden Folgen für die Menschen und Gesellschaften rund um den Globus. 50 Jahre, nachdem die Vereinten Nationen das Einheits-Übereinkommen über die Betäubungsmittel initiiert haben, und 40 Jahre, nachdem die US-Regierung unter Präsident Nixon den Krieg gegen die Drogen ausgerufen hat, besteht in der nationalen und weltweiten Drogenpolitik dringender Bedarf nach grundlegenden Reformen.

Trotz hoher Aufwendungen für die Kriminalisierung und für repressive Massnahmen gegen Produzenten, Dealer und Konsumenten von illegalen Drogen ist es nicht gelungen, das Angebot und den Konsum wirksam einzuschränken. Scheinbare Erfolge bei der Ausschaltung einer Quelle oder Dealerorganisation werden fast auf der Stelle durch das Aufkommen neuer Quellen und Dealer zunichtegemacht. Die auf die Drogenkonsumierenden ausgerichtete Repression behindert Massnahmen zum Schutz der öffentlichen Gesundheit, die darauf abzielen, HIV/Aids, tödliche Überdosen und weitere schädliche Folgen des Drogenkonsums einzudämmen. Die staatlichen Aufwendungen für aussichtslose Strategien zur Verringerung des Angebots und für die Inhaftierung verdrängen kostenwirksamere und evidenzbasierte Investitionen in die Verringerung der Nachfrage und die Schadenminderung.

Unsere Grundsätze und Empfehlungen lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Der Kriminalisierung, Ausgrenzung und Stigmatisierung von Menschen, die Drogen konsumieren, aber anderen keinen Schaden zufügen, ein Ende setzen. Die verbreiteten falschen Vorstellungen über Drogenmärkte, Drogenkonsum und Drogenabhängigkeit in Frage stellen, statt sie zu bekräftigen.

Staatliche Modellversuche für eine gesetzliche Reglementierung von Drogen fördern, um die Macht des organisierten Verbrechens zu untergraben und die Gesundheit und Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten. Diese Empfehlung gilt insbesondere für Cannabis, doch wir unterstützen auch weitere Versuche zur Entkriminalisierung und gesetzlichen Reglementierung, mit denen sich diese Ziele erreichen lassen und die anderen als Vorbild dienen können.

Gesundheitsleistungen und Therapieangebote für jene bereitstellen, die sie benötigen. Die Verfügbarkeit verschiedener Therapieformen sicherstellen, die nicht nur die Methadon- und Buprenorphinbehandlung, sondern auch Programme zur heroingestützten Behandlung umfassen, die sich in vielen europäischen Ländern und in Kanada als erfolgreich erwiesen haben. Die Abgabe von Spritzen und weitere Massnahmen zur Schadenminderung einführen, die sich als wirksam erwiesen haben, um die Übertragung von HIV und anderen blutübertragbaren Infektionen sowie tödliche Überdosen zu verringern. Die Menschenrechte von Drogenkonsumierenden achten. Im Rahmen der Therapie missbräuchliche Methoden – wie zwangsweise Festhaltung, Zwangsarbeit und körperlicher oder psychischer Missbrauch – abschaffen, die den Standards und Normen der Menschenrechte zuwiderlaufen oder das Selbstbestimmungsrecht verletzen.

Die oben aufgeführten Grundsätze und Strategien auch auf Personen wie Anbauer, Kurierinnen und Kleindealer anwenden, die auf den unteren Stufen der illegalen Drogenmärkte tätig sind. Viele dieser Menschen sind selbst drogenabhängig oder Opfer von Gewalt und Einschüchterung. Die Festnahme und Inhaftierung von Dutzenden von Millionen dieser Menschen in den letzten Jahrzehnten hatten zur Folge, dass sich die Strafanstalten füllten und viele Leben und Familien zerstört wurden, ohne dass damit die Verfügbarkeit von illegalen Drogen oder die Macht der kriminellen Organisationen eingeschränkt worden wären. Offensichtlich ist eine fast unbeschränkte Zahl von Menschen bereit, derartige Tätigkeiten zu übernehmen, um die eigenen Lebensumstände zu verbessern, die Familie zu versorgen oder der Armut zu entkommen. Die Mittel zur Bekämpfung von Drogen werden besser anderweitig eingesetzt.

In Aktivitäten investieren, die junge Menschen von Anfang an davon abhalten, Drogen zu konsumieren, und auch Drogenkonsumierende vor gravierenderen Problemen bewahren. Vereinfachende Botschaften wie «sag einfach nein» und Nulltoleranzstrategien vermeiden und stattdessen auf Bildungsmassnahmen, die auf glaubwürdigen Informationen beruhen, sowie auf Präventionsprogramme setzen, bei denen soziale Kompetenzen und der Einfluss von Gleichaltrigen im Mittelpunkt stehen. Die erfolgreichsten Präventionsanstrengungen sind möglicherweise jene, die auf spezifische Risikogruppen ausgerichtet sind.

Die repressiven Massnahmen auf gewalttätige kriminelle Organisationen konzentrieren, aber dabei so vorgehen, dass ihre Macht und ihr Einfluss eingeschränkt und zugleich vor allem die Gewalt und Einschüchterung abgebaut werden. Die Anstrengungen im Bereich der Strafverfolgung sollten nicht darauf ausgerichtet sein, die Drogenmärkte an sich, sondern vielmehr deren schädliche Auswirkungen auf die einzelnen Menschen, die Gemeinschaften und die innere Sicherheit zu vermindern.

Eine Umgestaltung des weltweiten Verbotssystems für Drogen einleiten. Drogenpolitische Handlungskonzepte und Strategien, die auf Ideologie und dem Schielen auf politische Vorteile beruhen, durch fiskalisch verantwortungsvolle politische Handlungskonzepte und Strategien ersetzen, die den wissenschaftlichen Erkenntnissen, der Gesundheit, der Sicherheit und den Menschenrechten Rechnung tragen, und geeignete Evaluationskriterien festlegen. Die Einstufung der Drogen überprüfen, da offensichtliche Anomalien wie die Fehleinschätzung von Cannabis, Kokablättern und Ecstasy bestehen. Sicherstellen, dass die internationalen Übereinkommen so ausgelegt und/oder revidiert werden, dass fundierte Versuche im Bereich Schadenminderung, Entkriminalisierung und gesetzliche Reglementierung möglich sind.

Das Tabu bezüglich Diskussionen und Reformen brechen. Nun muss gehandelt werden.

Die WHO darf sich auf Dauer den Empfehlungen der Global Commission on Drugs nicht verschließen. Ihr Bericht muß auf der leider erst für 2016 geplanten UN-Sondersitzung (United Nations General Assembly Special Session, kurz: UNGASS) zum Thema Drogen endlich zu echten Maßnahmen führen, um die Drogenpolitik global zu reformieren. Bis dahin gilt es, den Bericht weiter zu propagieren, damit dann wirklich was weitergeht.

ahoy
hellboy
« Last Edit: 2015, 05, 18; 11:40:41 by hellboy »
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hellboy

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Es gibt den Bericht jetzt auch auf Deutsch

"DIE
KONTROLLE
ÜBERNEHMEN:
WEGE ZU EINER FUNKTIONIERENDEN DROGENPOLITIK"


http://www.arud.ch/tl_files/arud/startseite/20150402_GCDP_Bericht_2014.pdf

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Alternativer Drogen- und Suchtbericht
Herausgegeben von akzept e.V. Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitk, Deutsche AIDS-Hilfe e.V. und JES Bundesverband e.V.


Vorwort

Heino Stöver, Bernd Werse, Dirk Schäffer


Der erste Alternative Sucht- und Drogenbericht, der 2014 von den drei Bundesverbänden akzept e.V., Deutsche AIDS-Hilfe und JES e.V. herausgegeben wurde, hat für eine enorme Aufmerksamkeit in den Medien und der Fachöffentlichkeit gesorgt. Damit wurde deutlich, dass die Öffentlichkeit ein starkes Interesse an einer realitätsnahen und integrativen Drogenpolitik hat und eine Politik ablehnt, die größtenteils auf dem Wunsch basiert, dass es bestimmte Drogen gar nicht gäbe sowie politisch überwiegend mit Verboten und Kriminalisierung der Konsument_innen reagiert. Leider ist die Dro- genpolitik der Bundesregierung nach wie vor dadurch gekennzeichnet, dass sie essen- ziellen Kernforderungen einer Vielzahl von Fachverbänden, Drogenhilfeträger_innen und Expert_innen nach Einbezug evidenzbasierter Erkenntnisse und systematisierter, dokumentierter Praxiserfahrungen nicht nachkommt. Wir wissen in vielen Bereichen der Drogenpolitik relativ genau, was wirkt, was nicht und welche Nebenwirkungen mit bestimmten Politikstrategien verbunden sind.
Es fehlt der Drogenpolitik der Bundesregierung an strategischen, innovativen und substanzübergreifenden Konzepten sowie konsistenten Aktionsplänen. Wir erleben oft eine unausgewogene, z. T. populistische und kurzatmige Thematisierung der Folgen einzelner Drogen (z. B. Crystal Meth), während für den besseren Umgang mit den Volksdrogen Alkohol und Tabak wichtige verbraucherschützende Rahmenbedingungen nicht geschaffen werden.
Daher ist der nun vorliegende zweite Alternative Drogen- und Suchtbericht weiterhin ein dringend notwendiges Instrument, um eine zusammenfassende Gegenöffentlichkeit gegenüber den offiziellen Verlautbarungen der Bundesregierung zu schaffen: Der Ausgangspunkt jeglicher Drogenpolitik muss der Konsument bzw. die Konsumentin sein und zwar in der Ausbalancierung mit den gesellschaftlichen Bedingungen.
Ständig mit dem Drogenverbotshammer zu hantieren ist einerseits realitätsfremd (angesichts von Millionen von Menschen, die illegale Drogen konsumieren) und ande- rerseits angesichts weltweiter, jahrelanger Reformbemühungen, Alternativen zur Repression zu schaffen, anachronistisch.
Das Drogenverbot ignoriert auch, dass es „Drogenkulturen“ gibt, die den Gebrauch illegalisierter Drogen integriert haben und einen Konsum weitgehend ohne schädigende Nebenwirkungen pflegen (z. B. mit Cannabis oder Kokain). Darin deutet sich an, dass wir bei der Drogenpolitik auf mündige Bürger_innen zählen sollten sowie auf eine Kontrollstrategie, die auf glaubhafte Information anstatt auf undifferenzierte (und im Übrigen ineffektive) Ablehnung setzt. Bei HIV/AIDS ist das weitgehend gelungen, bei Tabak befinden wir uns noch im Lernprozess. Fakt ist, dass sich eine gesell- schaftliche Lernstrategie einer Kontrollstrategie als überlegen erwiesen hat. Belege werden in diesem Alternativen Drogen- und Suchtbericht zuhauf geliefert. Allen voran von jenen Polizeivertreter_innen, die offen gestehen, dass das Drogenverbot mit polizeilichen Mitteln weder jetzt noch in Zukunft durchgesetzt werden kann. Illegalisier- te Drogen werden die Gesellschaft begleiten – weil sie von bestimmten Menschen gegenüber den legalen psychoaktiven Substanzen Alkohol und Tabak präferiert wer- den. Im Übrigen – um dem bekannten prohibitionistischen Argument der „Verharmlosung“ entgegenzutreten – käme eine Entkriminalisierung auch jenen zugute, die intensive Konsummuster entwickelt haben: nicht nur durch den Wegfall teurer und sinnloser Strafmaßnahmen, sondern auch durch eine geringere Hemmschwelle, Hilfe aufzusuchen sowie die generell besseren Rahmenbedingungen für akzeptanzorientierte Hilfen.
Wir setzen auch in vielen anderen Bereichen des Lebens auf die Lernfähigkeit und Verhaltensänderungsmöglichkeit der Bürgerinnen und Bürger. Wir müssen nur die Bedingungen dafür schaffen, dass die Menschen gesündere, informierte und schadensminimierende Entscheidungen treffen können, gemäß der WHO-Orientierung „make the healthy choice the easy choice“. Das Drogenverbot führt dazu, dass häufig die ungesunde Entscheidung die leichtere ist, z. B. wenn Drogenabhängige zur Spritze anstatt zur Folie greifen oder wenn der nicht kontrollierte Markt nur verunreinigte Substanzen im Angebot hat.
Ein sehr anschauliches Beispiel des Zustands der deutschen Drogenpolitik hat der Deutsche Bundestag am 5.11.2014 selbst geliefert: Es wurden zehn Expert_innen in seinen Gesundheitsausschuss zur Anhörung eingeladen, um über eine Eingabe der Fraktion der Linken und Bündnis90/Die Grünen zum Umgang mit Cannabis sowie die Notwendigkeit einer Neubewertung des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG) zu beraten. Es handelte sich um einen Antrag, der den zentralen Vorschlag der im Jahr 2013 veröffentlichten Resolution deutscher Strafrechtsprofessor_innen aufnahm.1 Von den zehn Expert_innen forderten im Rahmen der erwähnten Anhörung neun eine Überprüfung des BtMG und damit eine überparteiliche Enquete-Kommission. Selbst die Expertinnen und Experten, die von CDU, CSU und SPD bestellt worden waren, haben – bis auf eine Ausnahme – dieser Forderung zugestimmt. Es scheint sich unter Fachleuten ein neuer Konsens zu bilden, der darin besteht, dass das BtMG nach wissenschaftlichen Kriterien neu beurteilt werden muss.
Letzteres ist auch ein Beleg dafür, wie sich in den letzten Jahren die Koordinaten der Fachwelt geändert haben: Nachdem die Forderung nach weitgehender Entkriminalisierung noch vor nicht allzu langer Zeit eine auf bestimmte Disziplinen beschränkte Minderheitenmeinung war, sprechen sich immer mehr Expert_innen aus sämtlichen relevanten Fachgebieten für diese aus. Dazu gehören neben Fachleuten aus Sozialwissenschaft, Pädagogik und Rechtswissenschaft z. B. auch solche aus der Praxis der Suchtbehandlung, Psychiatrie und Strafverfolgung. Beiträge von Expert_innen aus all diesen Bereichen sind im vorliegenden Bericht nachzulesen.

Abschließend sei an dieser Stelle auf einige aus unserer Sicht zentrale Themen ver- wiesen, die im diesjährigen Alternativen Drogen- und Suchtbericht zur Sprache kom- men:
• Das Phänomen der neuen psychoaktiven Substanzen (NPS) mit all ihren gefährli-
   chen Nebenwirkungen zeichnet sich immer stärker als Nebeneffekt der Prohibiti-
   on selbst ab.
• Noch immer existieren in Deutschland so weitgehende Werbemöglichkeiten für
   legale Drogen (Alkohol und Tabak) wie in kaum einem anderen europäischen
   Land.
• Drug Checking als Maßnahme zur Schadensminimierung wird angesichts giftiger
   Verunreinigungen und wilder Schwankungen von Wirkstoffgehalten in Ecstasy
   und Cannabis immer dringender erforderlich.
• Es stellt sich die Frage, ob die unter großem öffentlichem Druck angekündigte
   Neuregelung der Verwendung von Cannabis als Medizin ein für betroffene
   Patient_innen zufriedenstellendes Ergebnis hervorbringen wird.
• Die Abgabe medizinischer Kompetenz an Laien durch die Vergabe von Naloxon an Opiatkonsumierende ist in
   Deutschland überfällig, um in akuten Überdosierungs-
   situationen Leben zu retten.
• Drogenkonsumierende sind im Rahmen neoliberaler Stadtpolitiken der Verdrän-
   gung aus Innenstädten ausgesetzt. Auf diese Weise werden öffentliche Räume ohnehin marginalisierten
   Gesellschaftsgruppen weiter verschlossen.

Als übergreifende Konsequenz der betrachteten Problembereiche ergibt sich die Forderung nach einer Überarbeitung des BtMG, die die Konsumierenden und ihr gesundheitliches wie gesellschaftliches Wohlergehen in den Mittelpunkt rückt sowie eine informierte Selbstbestimmung des Konsums ermöglicht.

Frankfurt am Main, 17. Mai 2015

Zum pdf: http://alternativer-drogenbericht.de/wp-content/uploads/2015/05/Alternativer-Drogen-und-Suchtbericht-2015.pdf

Bericht in der Tagesschau: https://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-85651.html

Kein ernstzunehmender Experte ist noch für die Prohibition. Deshalb sind Politiker, die die noch für die Prohibition sind, auch nicht ernstzunehmen.

ahoy
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« Last Edit: 2015, 05, 18; 17:43:24 by hellboy »
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Drogen: Amerikas längster Krieg (arte Doku)

Was viele Menschen für unmöglich hielten, ist Wirklichkeit geworden. Amerika hat einen schwarzen Präsidenten. Die Hautfarbe von Barack Obama spielte erstaunlicherweise bereits in den Monaten und Wochen vor seiner ersten Wahl zum Präsidenten der USA keine große Rolle. Aber heißt das, dass der Rassismus in den USA endgültig der Vergangenheit angehört? Der Dokumentarfilm widmet sich einem Problem, das im Wahlkampf nicht nur des Jahres 2008 keine große Rolle gespielt hat, dem Kampf gegen Drogen. Zwar werden Milliarden von Dollar zur Bekämpfung der Drogenkriminalität im In- und Ausland investiert, doch ohne dass ein Ergebnis sichtbar wird. Dabei sind vorwiegend schwarze Amerikaner betroffen, sowohl als Opfer als auch als Täter. Filmemacher Eugen Jarecki analysiert den Zustand der amerikanischen Gesellschaft im Spiegel des Kampfes gegen Drogen und hat gleichzeitig einen Film über den Rassismus in den USA gemacht. Dabei geht es auch um die Frage, welchen Stellenwert die von Barack Obama geführte Regierung dem Kampf gegen Drogen beimisst und mit welchen Methoden sie dabei vorgeht.

http://dokumonster.de/sehen/8506-drogen-amerikas-laengster-krieg-arte-doku/

Basiswissen.

ahoy
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Ansprache von Ex-Welt-Chef Kofi Annan: Gebt Drogen frei! Stopp dem Krieg gegen Drogen!

Kofi Annan hielt diese Ansprache am 19. Mai 2015 auf der 68. Weltgesundheitsversammlung. Das Original ist von der Website der UNO-Drogenübereinkunft. Der volle Titel lautet

Die UNO Generalversammlung 2016 naht: Stärkung der Gesundheitsposition bei der Behandlung der Weltdrogenfrage



19. Mai 2015, 18.00, Palais des Nations, Salle VII

Madame Dreifuss,
Eure Exzellenz,
Ladies and gentlemen,

zuerst einmal möchte ich den elf Regierungen danken, die unser Treffen organisiert und mich eingeladen haben heute zu Ihnen zu sprechen.

In der Einleitung Einheitsabkommen von 1961 steht: „Gesundheit und Wohlergehen der Menschheit“, und ich wiederhole, dass „Gesundheit und Wohlergehen der Menschheit“ das oberste Ziel dieses Beschlusses ist.

Leider trägt die Politik in vielen Ländern nichts zum Erreichen dieses Ziels bei.

Ganz im Gegenteil. Diese Gesetze führen zu einem Ergebnis, von dem das UN-Büro für Drogen und Verbrechen sagt, es habe „ungewollte Konsequenzen“.

Zu diesen ungewollten Folgen gehört ein riesiger internationaler Schwarzmarkt, der Korruption und Gewalt nährt.

Verirrte Versuche der Drogenvermeidung durch Kriminalisierung haben in einigen Ländern versagt und stattdessen zu Menschenmassen in Gefängnissen geführt.

In einigen Ländern hat der sogenannte „Krieg gegen Drogen“ zu gefährlicher Unsicherheit geführt.

Ich habe es schon gesagt und ich wiederhole es noch einmal: Ich bin sicher, dass Drogen viele Leben ruiniert haben, aber auch, dass falsche Gesetze viele mehr ruiniert haben.

Eine Vorstrafe für einen jungen Menschen wegen eines Drogenvergehens ist eine größere Bedrohung für den jungen Menschen als gelegentlicher Drogenkonsum.

In vielen Teilen der Erde sind Drogenkonsumenten geächtet und von Behandlung und Hilfe ausgeschlossen, und sie leben mit der ständigen Gefahr der Verhaftung.

Sogar die Gesetze, die relativ erfolgreich ganze Drogenkartelle bekämpfen, verschieben die Probleme bloß statt sie zu lösen: eine Linderung im einen Land führt zu einer Verschlimmerung im anderen.

Wir wissen auch, dass die Exekutive die Versorgung mit einer illegalen Substanz unterdrücken kann, aber viele Konsumenten wechseln dann zu einer anderen, oft gefährlicheren, Substanz.

Daher bin ich überzeugt, dass die augenblicklichen Drogengesetze reformiert werden müssen, um Vorbeugung und Behandlung zu gewährleisten — auf der Grundlage von Maßnahmen die funktionieren.

Besondere Sorge macht mir die Situation in Afrika.

In den letzten Jahren hat sich der Kontinent zu einem Umschlagplatz für den Drogenhandel entwickelt. Der afrikanische Drogenverbrauch ist ebenfalls im Steigen.

Jedoch gibt es in den meisten afrikanischen Ländern nur wenige oder keine Einrichtungen für Vorbeugung oder Behandlung.

Gleichzeitig schränken die jetzigen Gesetze den Zugang zu Schmerzmittel sehr stark ein.

Wir wissen, dass 90 Prozent des Morphiums in Nordamerika und Europa verschrieben wird. In vielen Entwicklungsländern müssen Patienten mit Krebs im Endstadium unnötig leiden, weil die Ärzte nicht gegen die falsch verstandenen und falsch ausgeführten Beschlüsse der UNO verstoßen dürfen.

Das Programm für „Zugang zu verschreibungspflichtigen Medikamenten“ der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber wir müssen sicherstellen, dass die wichtigen Arzneien auf den Vorschlagslisten der Weltgesundheitsorganisation kein Opfer des Kriegs gegen Drogen werden.

Der jüngste Versuch zur Eindämmung von Ketamin wäre ein Schritt in die falsche Richtung gewesen. Im Krieg gegen Drogen wollte man die Verbreitung von Ketamin eindämmen, ein Mittel, dass gerade in den ärmsten Gegenden der Welt verwendet wird, nach der Empfehlung der WHO „zur Gewährleistung von sicherer und günstiger chirurgischen Behandlung“.

Ich hoffe, dass sich bei Drogengesetzen die Vernunft durchsetzen wird.

Traurig ist, dass Drogengesetze noch nie ein Bereich waren, in dem Belege für Wirkung den Weg zeigen.

Natürlich wollen wir alle unsere Familien vor den Gefahren von Drogen bewahren.

Wenn jedoch jemand ein Drogenproblem entwickeln – eine chronische, wiederkehrende Krankheit, wie die Weltgesundheitsorganisation das festgelegt hat – dann sollte er oder sie als Patienten mit Bedarf nach Behandlung angesehen werden, nicht als Kriminelle.

In welchen Bereichen der öffentlichen Gesundheit kriminalisieren wir die Patienten, die Hilfe brauchen?

Es kann keinesfalls die Aufgabe einer Strafjustiz sein, Abhilfe bei Fragen der Volksgesundheit zu schaffen.

Das ist ein Job für Ärzte und andere Gesundheitsexperten.

Der UNODC-Direktor Yury Fedotov hat einmal gesagt: „Die Übereinkommen sind nicht für den Krieg gegen Drogen gedacht, sondern haben die Gesundheit und das Wohlergehen der Menschheit zum Gegenstand.“

Wir sollten uns nach dieser Vorgabe richten.

Die jetzigen Drogengesetze erreichen dieses Ziel jedenfalls nicht. So stellen wir uns die Frage: „Welche Gesetze brauchen Regierungen und Gesundheitsbehörden um die schädlichen sozialen und gesundheitlichen Folgen zu reduzieren, die
Drogenkonsum hervorrufen kann?“

Gestatten Sie mir, dass ich drei Vorschläge mache.

Erstens: Drogenkonsum entkriminalisieren. Strafmaßnahmen funktionieren nicht und befördern viele Menschen ins Gefängnis, wo der Drogenkonsum sogar schlimmer werden kann.

Zweitens: Einrichtungen zur Behandlung stärken, besonders in den Schwellen- und Entwicklungsländern.

Die Westafrikanische Drogenkommission, die ich einberufen habe, fand in ihrer Region keine einzige Stelle für die Behandlung von Drogenproblemen, welche die Mindestanforderungen internationaler Standards erfüllt hätte.

Erfreulicherweise werden jetzt in Senegal und einigen anderen Ländern jetzt neue Einrichtungen eröffnet. Spender sollen helfen, diese Einrichtungen in andere Regionen zu erweitern.

Drittens: wir müssen lernen mit Drogen zu leben, so dass sie den wenigsten Schaden anrichten. Dass wir eine drogenfreie Welt wollen, ist kein
realistischer Ehrgeiz.

Tabak ist ein Beispiel dafür, wie ein gefährliches und süchtigmachendes Produkt geregelt wird, weil wir wissen, dass es sich die Leute nicht verbieten lassen.

So haben wir heute weniger nikotinsüchtige Menschen, und deren Zahl sinkt in vielen Ländern noch weiter.

Für diese Entwicklung musste keiner verhaftet oder eingesperrt oder vom Staatsanwalt zwangsbehandelt werden. Diese Wirkung entfaltete sich dank hoher Steuern, Schranken beim Verkauf und Gebrauch und starke Antirauchkampagnen.

Regelwerke und Aufklärung haben uns dieses Resultat beschert.

Wir müssen Drogen reglementieren, weil sie Risiken haben. Drogen sind noch unendlich gefährlicher, wenn sie von Kriminellen verkauft werden, die sich um Sicherheit und Gesundheit nicht kümmern.

Verordnungen schützen Gesundheit. Konsumenten müssen wissen was sie nehmen und müssen klare Information über mögliche Risiken erhalten, und müssen wissen wie man Probleme auf das Minimum beschränkt.

Regierungen müssen in der Lage sein, die Händler und Läden nach den Gefahren zu
reglementieren, die Drogenkonsum mit sich bringt.

Die riskantesten Drogen sollten niemals rezeptfrei erhältlich sein, sondern nur
für registrierte Abhängige, wie das hier in der Schweiz bereits geschieht.

Meine Damen und Herren, liebe Freunde,

Schon seit einiger Zeit ermuntert die Weltkommission für Drogenpolitik, der auch ich angehöre, zu einem offenen, zuversichtlichen Erörterung dieser Belange am Weg zur UNGASS 2016. (Grüße an Ruth Dreifuss, Diskussionsleiterin bei der Weltkommission für Drogenpolitik, so wie den gemeinsamen Kollegen Michel Katzachkine.)

Ich freue mich, dass so viele von Ihnen mich anhören, um an der Diskussion teilzunehmen.

Wir glauben, dass die Weltgesundheitsorganisation, eine unserer vier Teilnehmer am Übereinkommen, eine bedeutende Rolle in der Debatte spielen soll.

Drogenpolitik sollte auf der Grundlage der Wissenschaft gemacht werden, und mit aufrichtiger Sorge um Gesundheit und Menschenrechte.

Aus diesem Grund halten wir den richtigen Zeitpunkt für gekommen für den Vernunft-Ansatz in der Drogenpolitik.

Ich bin voller Hoffnung, dass sich die UNGASS 2016 auf die tatsächlichen Themen konzentrieren wird, und uns alle in die Richtung führt, die wir alle für die richtige halten.

Ich danke Ihnen.

Die Übersetzung vom golemxiv (Danke!!! 👍) auch hier, zwecks Vollständigkeit.

ahoy
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« Last Edit: 2015, 08, 08; 03:17:34 by hellboy »
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