Author Topic: Atomkraft  (Read 1712 times)

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Ich plädiere auf 5300 Watt pro Person in Österreich, insgesamt ca. 40 GW. Das ist nicht nur der Stromverbrauch, sondern der gesamte Energieverbrauch, inklusive z.B. mein Anteil von VÖST und Semperit, die das Material für meine Stiefel mit Stahlkappen herbeischmelzen und herbeivulkanisieren, sowie das Benzin für meine Taxifahrten in die Discothek. Die Auflistung des Prokopf-Energieverbrauchs liefert El Sole Founder Jimbo:

https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_countries_by_energy_consumption_per_capita

Photovoltaik ist Gaia-Energie

Photovoltaik ist Gaia-Energie und für Eigenheime durchaus vertretbar. Spart Geld und im Falle eines zivilisatorischen Kollaps kann man ohne E-Werk weiter mit dem Computer spielen. Allerdings verbraucht ein Haushalt im Schnitt nicht einmal ein Kilowatt, weil die Waschmaschine nicht immer läuft.

Der österreichische Prokopf-Energieverbrauch beträgt allerdings über 5 Kilowatt. Ein Pendler, der jeden Tag 100 km mit dem Auto fährt, verbraucht 200MJ, das sind 2*10**8 / 10**5 = 2*10**3 = 2 Kilowatt, umgelegt auf ununterbrochen, rund um die Uhr. (Während der Stunde, die das Auto fährt, verbraucht der Pendler 48 Kilowatt.)

Rein arithmetisch ist Österreich groß genug, um für 8 Millionen Einwohner 40 GW Strom mit Photovoltaik zu erzeugen, denn dafür bräuchte man  400 Millionen Quadratmeter, das sind nur 400 Quadratkilometer, von denen Österreich 80,000 hat. Allerdings erhöht sich der Platzbedarf auf das Dreifache, wenn man sich erinnert, dass Photovoltaik einen Wirkungsgrad von bloß 30% hat, sobald man aus Licht andere Energie macht. Die Ausbeute von ca. 100 Watt pro Quadratmeter (umgelegt auf alle Jahres- und Tageszeiten) gibt es nur, wenn man die Energie als Licht braucht, z.B. als Heizung oder Beleuchtung im Freien.
1200 Quadratkilometer überzogen mit Photovoltaik sind allerdings eine etwas monströse Vorstellung, besonders, wenn man sich vor Augen hält, dass das wirklich nur die Fläche für die Silizium-Bausteine wäre. Zwischen größeren Sonnenkollektoren müssten wir Österreicher Wandelgänge und Zäune einrichten, was die Fläche vielleicht nochmal verdoppeln würde.

Wer schenkt uns 1200 qm Land in Österreich? Der Neusiedler See hat nur 300 Quadratkilometer.

Sogar, wenn man unterstellt, dass sich der helly auf seinem Grundstück seine 5 Kilowatt persönlich mit PV erzeugt, bräuchte er dafür 500 qm Hausdächer oder Garten. Das bleibt dem helly unbenommen, aber ich in der Stadt kann mir leider nirgends 500 qm Sonnensegel installieren.

Windenergie ist Gaia-Energie

Was ist mit Windenergie? Hier sind ein paar Zahlen zu Selbstversorgern in der buckligen Welt.

Quote from: 'welt.de'
Nach seiner Schätzung wurden im vergangenen Jahr rund 2000 Mini-Turbinen mit einer Gesamtleistung von etwa vier Megawatt installiert. Hinzu kämen etwa 300 weitere Anlagen bei Firmen und landwirtschaftlichen Betrieben mit Leistungen zwischen fünf und 50 Kilowatt. Die Gesamtinvestitionssumme in 2013 schätzt Jüttemann auf rund 35 Millionen Euro.

http://www.welt.de/finanzen/immobilien/article135327355/Der-teure-Traum-von-der-Energie-Selbstversorgung.html

35 Millionen für 4 Megawatt Spitze? Das sind fast 10 Euro pro Watt, allerdings ist es in Wirklichkeit viel mehr pro Watt, weil der Wind nicht immer im Spitzentempo weht. Zum Vergleich: das E-Werk im Dreischluchtendamm kostete 28 Milliarden für 21 Gigawatt, allerdings kann dieses Kraftwerk diese Leistung im Gegensatz zu Windrädern ununterbrochen liefern. Nur ein Euro pro Watt! Zentralisierung rechnet sich!

Wie viel Windrad bräuchte helly für seine 5 Kilowatt? Das sind vermutlich ca. 50 Kilowatt Spitze, und so ein Windrad sieht so aus:

http://www.windkraft-anlagen.com/windanlage50kw.html

Dort steht passenderweise dabei, dass die Anlage 240,000 kWh pro Jahr liefert, allerdings steht nicht dabei, dass dazu ununterbrochen der Wind mit 8m/s wehen müsste. Es passt insofern zum Energieverbrauch zum helly, als dass er ca. 40,000 kWh pro Jahr verbraucht und der Wind nur ein Sechstel der Zeit mit 8m/s weht.

Helly, würdest du so ein Riesenwindrad bei dir zu Hause im Garten aufstellen? Kostet laut Landwirtschaftskammer nur 291500 Euro! 6 Euro pro Watt! Dafür erzeugt dir das Ding alle Energie, die du persönlich brauchst, inklusive Benzin für dein Auto, Wärme für Düngemittel und Strom für Elektroloks, die dir die Milch bringen. Ich habe leider keinen Garten, und für den Balkon ist so ein Windrad zur Herstellung meiner persönlichen 5 kW zu unförmig. Außerdem will ich nicht 291500 Euro Kapital binden, auch wenn ich dann Rabatte auf meine Schuhe mit Stahlkappen sowie Taxifahrten bekäme.

http://www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/technik/energie/windkraft/kleinwindanlagen.htm

Allerdings ist etwas unheimlich, wie riesig so ein Windrad ist im Vergleich zur Ausbeute von 50kW. Alleine die Erzeugung des Beton für den Turm verbraucht ca. 50 Kubikmeter Zement, also mindestens 100 Tonnen. Das sind 10,000 kWh, d.h. alleine um für seinen eigenen Zement die Energie zu erzeugen müsste dieses Windrad ein Quartal lang laufen, denn pro Tonne Zement braucht man 100 kWh.

https://www.vdz-online.de/themen/energieverbrauch-zementindustrie/

Sagte ich schon, dass wir in Österreich 8 Millionen solche Windräder brauchen, um Österreichs Energiebedarf damit zu decken? Wo stellen wir diese Windräder hin?

Ein 50kW Wasserkraftwerk sieht übrigens so aus, wie auf folgendem Katalogeintrag, nur dass es ununterbrochen 50kW liefert, nicht nur, wenn Wetter zum Drachensteigen ist:

http://german.alibaba.com/product-gs/royway-high-quality-factory-directly-provide-for-hydropower-station-50kw-francis-turbine-generator-set-60011791563.html

Kostet nur 20,000 Euro! Passt in ein Mercedes Kombitaxi!

40 GW für alle Energie, die alle Österreicher für alles brauchen, wären für Atomenergie ein Klacks. Pro Bundesland bräuchte man vier bis acht mal Zwentendorf. Ab der Errichtung und Inbetriebnahme braucht Österreich keine Pipelines und keine Öltanker mehr, und Wasserkraft aus Hainburg auch nicht. Schade, dass die Energiekonzerne samt und sonders korrupte Verbrecher sind, die für Profit gerne pfuschen, vertuschen und betrügen. Solchen Windbeuteln darf man Atomenergie natürlich nicht anvertrauen.

Ich bezweilfe übrigens, dass mehrere hundert Quadratkilometer Sonnenkollektoren und/oder Millionen von riesigen Windrädern KEINEN Einfluss auf Umwelt und Klima haben.

Atommüll

Dass man Atommüll Millionen Jahre versenken muss, stimmt nicht. Ja, manche Atomsorten strahlen für Jahrmillionen. Ja, manche Atomsorten strahlen so heftig, dass man im Beisein nicht mehr lange lebt. Allerdings sind die beiden Atomsorten niemals die selben, weil die Radioaktivität bei den Langstrahlern ungefährlich ist und umgekehrt die Radioaktivität der gefährlichen Strahler nach wenigen hundert Jahren vorbei ist. Die Radioaktivität rinnt gewissermaßen aus dem Atom aus und ist nur in großen Mengen auf einmal gefährlich. Eine gefährliche Atomsorte strahlt seine Radioaktivität so schnell ab, dass es damit bald vorbei ist.

Atommüll fällt nicht besonders viel an und kann durch Transmutation in anderen, weniger gefährlichen, Atommüll umgewandelt werden. Einige radioaktive Isotope sind sehr nützlich für medizinische Bestrahlung. Ohne Plutonium-238 aus Atomkraftwerken gäbe es keine interplanetare Raumfahrt zu den äußeren Planeten, weil es dort zu wenig Solarenergie gibt.

Atommüll, besonders die heftigen Strahler, machen im Vergleich zu herkömmlichen Giften fantastische Probleme, wenn man sie so bequem und billig lagern will wie z.B. Zyankali- oder Quecksilberjauche aus Bergbau und Industrie. Die heftigen Strahler kann man - wie Zyankali oder Säuren - in Nirostafässer füllen und einfach irgendwo vergessen -- so die erste Auffassung von der Endlagerung. Was die Atombosse zunächst vergaßen: Im Gegensatz zu Gift und Säuren transmutieren heftige Strahler das Material ihrer Behälter und machen z.B. aus Stahl Plastilin oder Porridge, welches zur Korrosion und Lecks neigt.

Atommüll erfordert BESONDERE Entsorgung, aber es geht um nur wenige Kubikmeter pro Jahr. Atommüll in Yucca Mountain WÜRDE funktionieren, weil dort kaum wer wohnt und der Atommüll tief unter der Erde versteckt worden wäre, wo kein Grundwasser hinkommt.

Die Energiebilanz bei Atomenergie ist so fantastisch, dass man sogar ohne viel Verlust extreme Verdünnung von Atommüll spendieren könnte, d.h. gleichmäßige Verteilung über riesige Gebiete in der toten Zone des Meeres. Atommüll ließe sich auch feinverteilt in Glas einschmelzen und bei mir im Wohnzimmer lagern. Die paar Alphapartikel und Gamma-Strahlen würden im Vergleich zur natürlichen Hintergrundradioaktivität kaum ins Gewicht fallen, und vergiften könnte sich auch keiner, weil die Atommüllatome nicht aus dem Glas heraus können.

Diese Vorzüge des Atommülls stehen im deutlichen Gegensatz zu Kohlekraftwerken, die riesige Mengen an Schwermetallen an die Luft abgeben, die so giftig sind wie Plutionium, sich ebenfalls in den Knochen ablagern, von denen es sich aber nicht auszahlen würde, sie in Glas einzuschmelzen oder im Meer zu verteilen, weil die Energiebilanz bei Kohlekraftwerken vergleichsweise null ist (aber immer noch besser als bei Gaia-Energie). Die Schwermetalle in der Kohle sind nicht radioaktiv, fallen aber in so gigantischen Mengen an, dass Yucca Moutain nach einem Jahr voll wäre mit dem Dreck. Dieser Dreck wird daher einfach in der Umwelt endgelagert.

Ist Atomenergie zu teuer wegen der versteckten Kosten?

Die Energieausbeute ist bei Atomkraft so märchenhaft hoch, dass sie sogar durch extreme Sicherheitsvorkehrungen kaum zu verwässern ist. Heute muss man für Dampfreaktoren aus Uranerz natürliches Uran gewinnen, das jedoch zu 99% aus dem falschen Isotop, nämlich Uran-238 besteht, das von Uran-235 kaum zu unterscheiden und daher schwer zu trennen ist. Aus diesem Grund braucht man Zentrifugen, die Uran-Verbindungen durch ganz zart verschiedene Massen zu trennen. Die Kosten für Energie und Geräte sind enorm und müssten nicht sein, weil es andere Formen der Atomenergie gibt, aber weil Uran-235 auch für Atombomben dringend gebraucht wird, machen sich viele Länder diese Mühe gerne. Die Energiebilanz für diese Verschwendung ist trotzdem positiv, weil die märchenhafte Ausbeute der Atomenergie praktisch nicht umzubringen ist. Atommüll könnte man im Taxi rund um den Erdball transportieren und die Kosten wären immer noch unter denen aller anderen Energieformen.

Gaia-Energie statt fossiler Energie oder Atom-Energie? Energie-Wende?

Klar. Man kann auch reich werden indem man Blechdosen auf der Straße einsammelt und als Schrott verkauft. Einfach sehr viele sammeln, z.B. ein paar Milliarden.
« Last Edit: 2016, 01, 30; 06:48:27 by pet »