Author Topic: Die Diktatur des Katholizismus - Austrofaschismus reloaded  (Read 466 times)

hellboy

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 1653
    • View Profile
Die Idee, die katholische Kirche sollte in Regierung und Gesetzgebung den Ton angeben, ist nicht neu. Das nennt sich Austrofaschismus.

http://de.m.wikipedia.org/wiki/Austrofaschismus#Kirche

Quote
Stütze des Systems: Kirche

Es gibt keinerlei Belege dafür, dass der Vatikan oder der österreichische Episkopat Dollfuß in die Diktatur getrieben hätte.[5] Nichtsdestoweniger begrüßte die römisch-katholische Kirche den austrofaschistischen Putsch, ähnlich wie wenig später in Spanien.

„Das Jahr 1933 hat der ganzen Christenheit reichen Gnadensegen, unserem Vaterland Österreich überdies viele Freuden gebracht […]. Sie (die Regierung, Anm.) kann schon jetzt auf eine Reihe von segensreichen Taten hinweisen, die das wahre Wohl sichern und fördern,[6]“

heißt es im Weihnachtsbrief der österreichischen Bischöfe aus dem Jahr, in dem Dollfuß das demokratisch gewählte Parlament ausschaltete.

Der Wiener Kardinal Innitzer begrüßte die Ausschaltung des Parlaments am 12. März 1933 als „Anbruch einer neuen Zeit“, die er mit dem Zeitalter der Gegenreformation verglich. Den von Taras Borodajkewycz organisierten Katholikentag im Oktober 1933 stellte er unter das Motto Numquam retrorsum („Niemals zurück“).

Am 10. Mai 1933 unterzeichnete Justizminister Kurt Schuschnigg das Konkordat, am 16. August erschwerte die Regierung den Austritt aus der katholischen Kirche. Von nun an mussten alle Menschen, die gewillt waren, der katholischen Kirche den Rücken zu kehren, eine Prüfung ihres Geistes- und Gemütszustandes über sich ergehen lassen. Die für den Austritt zuständigen Bezirkshauptmannschaften konnten dieses Verfahren beliebig lange hinausziehen. Infolge des Bemühens um eine Rekatholisierung der der Kirche entfremdeten Arbeiterschaft wurden in der kurzen Periode des Austrofaschismus zahlreiche Kirchenbauten errichtet, etwa die dem „Arbeiter“ St. Josef gewidmete Pfarrkirche Sandleiten beim Sandleitenhof, dem größten Gemeindebau des „Roten Wien“.

Nicht zuletzt wegen dieser kirchenfreundlichen Haltung bekam das austrofaschistische Regime auch aus dem Vatikan offizielle Unterstützung. Papst Pius XI. erteilte bereits am 28. Oktober 1933 seinen Segen den „vornehmen Männern, die Österreich in dieser Zeit, in diesen Tagen regieren, die Österreich so gut, so entschieden, so christlich regieren“,[6] und sogar noch während der Februarkämpfe 1934 erhielt Dollfuß den apostolischen Segen des Papstes.

Dollfuß selbst war stark an einer katholischen Renaissance interessiert. Schon während der Trabrennplatzrede am 11. September 1933 kündigte er einen „sozialen, christlichen deutschen Staat Österreich auf ständischer Grundlage, unter starker autoritärer Führung“ als seine Zielvorstellung an. Aber auch auf Seiten der Kirche war das Interesse an einem klerikal-faschistischen Österreich beträchtlich. So beteiligten sich kirchliche Würdenträger in Ebensee und Steyr an der Säuberung von Arbeiterbüchereien. In Steyr wurden die Bestände von 4000 auf 900 Bücher reduziert, von denen weitere 200 gesperrt wurden. Betroffen waren, neben explizit linker Literatur, auch Schriften jüdischer Autorinnen und Autoren. In kirchlichen Berichten zu diesen Ereignissen heißt es: „Vier Kisten mit Büchern wurden der Polizei zum Vernichten übergeben. Es handelte sich um die rein sozialistischen, erotischen und glaubensfeindliche Bücher. Die ärgsten erotischen und kirchenfeindlichen Bücher wurden in zerrissenem Zustand der Polizei übergeben“.

Die ÖVP hat immernoch eine dollfuß-Büste in ihren Parlaments-Clubräumen, die vor kurzem sogar noch in der parlamentsvorhalle stand. Die Kirche hat immernoch entscheidenden einfluß in diesem Land, und genießt diverse Privilegien. Solange das konkordat besteht, ist der austrofaschismus nicht besiegt.

ahoy
hellboy
« Last Edit: 2014, 07, 30; 00:37:41 by hellboy »
Darwin was wrong.                   i'd rather be morally right
Man is still an ape.                   than politically correct!

Social Buttons


hellboy

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 1653
    • View Profile
Quote
Verhetzungsanzeige wegen Pro-Abtreibung-Plakats

Nach der Einkesselung und Festnahme von Demonstranten gegen einen von Bischof Laun angeführten Gebetszug regt sich Kritik an der Polizei. Diese wirft den Abtreibungsbefürwortern auch Verhetzung vor.


Salzburg - Für den 19-jährigen Tourismusschüler Simon H. war es "eine ziemlich entsetzliche Erfahrung". Nach der Teilnahme an einer von der Aktion Kritischer Schülerinnen und Schüler mitorganisierten "komplett friedlichen Demonstration" mit rund 150 Teilnehmern und ohne zu ahnen, dass sie gegen ein Gesetz verstoßen haben könnten, seien er und rund 15 andere Jugendliche vergangenen Freitag beim Eisessen "von drei Polizeieinsatzwägen eingekesselt" worden.

Ein Pulk von "rund zehn Polizisten" habe ihn und eine Freundin festgenommen, dann, nach einer Durchsuchung, mit Blaulicht ins nächste Polizeianhaltezentrum gebracht. Dort seien beide erkennungsdienstlich behandelt und einvernommen worden.

Drei Stunden befragt

Erst nach drei Stunden hätten sie gehen dürfen, auf freiem Fuß wegen Verhetzung laut Paragraf 283 StGB angezeigt: aufgrund des Plakats, das H. und die junge Frau bei der Demo gegen den vom Salzburger Weihbischof Andreas Laun angeführten "1000 Kreuze für das Leben"-Gebetszug in die Höhe hielten.

Auf diesem Plakat ist ein provokanter Spruch zu lesen, der die emotional geführten Auseinandersetzungen um Fristenlösung und Abtreibungsrecht seit Jahrzehnten begleitet: "Hätte Maria abgetrieben wärt ihr uns erspart geblieben."

"Recht auf Meinungsäußerung"

Dutzende Male habe sie selbst miterlebt, dass Abtreibungsbefürworter diesen Slogan Abtreibungsgegnern entgegengehalten hätten, erinnert sich die frauenbewegte Wiener Anwältin Gabriele Vana-Kowarzik. Nie seien Polizei und Staatsanwaltschaft wegen des Wortlauts eingeschritten: "Diesen Slogan bei einer Demo zu verwenden gehört für mich zum Recht auf freie Meinungsäußerung."

Im Jahr 2014 sieht das die Salzburger Polizei anders: Der Verdacht, dass die Maria-Plakate zur Hetze auf christliche Abtreibungsgegner aufrufen würden, sei von der polizeilichen Beobachtertruppe gekommen, die während der Abtreibungsbefürworter-Demo am 25. Juli gefilmt habe, schildert eine Sprecherin der Landespolizeidirektion.

Insgesamt zehn Festnahmen

Nach Demo-Ende - Launs von rund 80 Personen besuchter Pro-Leben-Gebetsmarsch durch die Salzburger City startete erst zwei Stunden später - habe man die Transparente-Träger, Simon H. und Freundin, daher dingfest gemacht. Später habe es noch acht Festnahmen wegen Verhetzungsverdachts und Verdachts der Herabwürdigung religiöser Lehren gegeben: Einzelne Abtreibungsbefürworter hätten den Gebetsmarsch mit den inkriminierten Maria-Plakaten zu stören versucht.

Deren Wortlaut schätzt Markus Neher, Pressestellenleiter bei der Staatsanwaltschaft Salzburg, als eindeutig verhetzend ein. Als gleichzeitig Sonderzuständiger für politische Delikte, "also künftig wohl auch für diesen Fall", warte er zwar noch auf den polizeilichen Schlussbericht. Doch dass der Maria-Slogan "die Daseinsberechtigung gläubiger Christen infrage stellt" und daher, wie Paragraf 283/2 besagt, ihre "Menschenwürde verletzt", sei für ihn "offensichtlich".

Funk kritisiert Einsatz

"Nur weil etwas seit Jahrzehnten üblich ist, ist es noch lange nicht legal", widerspricht Neher dem Argument vom altbekannten Maria-Spruch. Tatsächlich sei die Staatsanwaltschaft zuständig, um einzuschätzen, ob in diesem Fall Verhetzung vorliege, meint dazu der Verfassungsrechtler Bernd-Christian Funk: "Ich glaube eher, dass nein." Ganz sicher aber sei er, "dass der Polizeieinsatz gegen Simon H. und Freundin überschießend war. Eine Identitätsfeststellung hätte hier voll ausgereicht." (Irene Brickner, DER STANDARD, 30.7.2014)

http://mobil.derstandard.at/2000003685845/Verhetzungsanzeige-wegen-Pro-Abtreibung-Plakats

Im unheiligen Land Salzburg dürfen abtreibungsgegner Menschen die in die prekäre Lage kommen, eine Abtreibung vornehmen zu lassen, drangsalieren und übelstem psychoterror aussetzen. Aber Menschen die dagegen protestieren, werden im Namen Gottes von Polizei und Gerichten terrorisiert.

Austrofaschismus reloaded.

ahoy
hellboy
Darwin was wrong.                   i'd rather be morally right
Man is still an ape.                   than politically correct!

GOLEMXIV

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 619
    • View Profile
Bitte gebts euch das
« Reply #2 on: 2014, 08, 11; 16:05:42 »
http://www.kreuz-net.at/index.php?id=392
lol wirklich lustig ist es nicht, aber dafür over the top

Die hier ist auch nicht unschräg:
http://www.couleurstudent.at/index.php?id=88