Author Topic: Von Prüderie und Heuchelei  (Read 326 times)

hellboy

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Von Prüderie und Heuchelei
« on: 2014, 08, 21; 16:09:36 »
Quote from: DIE ZEIT
PRÜDERIE
Die große Heuchelei

Da passt etwas nicht zusammen: Einerseits gibt es mehr Pornografie als je zuvor, andererseits scheint unsere Zeit in mancher Hinsicht überraschend prüde zu sein. Wie verlogen ist unsere Sittenmoral? Ein Aufschrei VON JENS JESSEN


Das Paradox der Situation liegt offen zutage. Während die Prüderie im öffentlichem Diskurs rapide zunimmt, kleinste Anzüglichkeiten, unschuldige Direktheit oder auch nur altmodische Redewendungen den Verdacht auf Sexismus auslösen, herrscht im Internet die totale Verfügbarkeit kruder und krudester Pornografie. Dieselben Kinder, die in der Schule selbst vor einem Troststreicheln ihrer Lehrer bewahrt werden sollen (es könnten ja pädophile Neigungen im Spiel sein), haben ungehinderten und unbehüteten Zugriff auf härteste Anmache und brutale Sexualpraktiken im Netz.

Und nicht anders verhält es sich mit dem berühmten "Aufschrei" der twitternden Frauen, die am Beispiel des Politikers Rainer Brüderle die verbalen Zudringlichkeiten alternder (und leider oft auch jüngerer) Männer anprangerten; die Empörung wurde geteilt, blieb aber symbolische Intarsie in einem durchsexualisierten Umfeld, das sich gegen moralische Einwände mit einem Augenzwinkern immunisiert. "Voi sapete quel che fa", singt Leporello, und noch heute könnte man allen Frauen, die sich über einen notorischen Wüstling empören, entgegenhalten: Ihr wisst doch selbst am besten, wie er’s macht. Der Börse, an der junge Frauen und alte Männer Sex gegen Karriere tauschen, ist es gleichgültig, wie man über sie denkt. Erst kürzlich wurde der Fall eines Models bekannt, das sich von dem amerikanischen Starfotografen Terry Richardson zu sexuellem Verkehr genötigt fühlte. Die Modebranche zuckte mit den Achseln; sie formulierte tatsächlich, es habe jedes Mädchen vorher gewusst, wie er’s macht.

weiter (mal wieder ein Link zu einem Tweet, weil dieses Forum sonst wegen dem Wort p o r n o den Link frisst.)

Danke, das gehörte dringend mal festgestellt.

ahoy
hellboy
« Last Edit: 2016, 03, 04; 18:08:37 by hellboy »
Darwin was wrong.                   i'd rather be morally right
Man is still an ape.                   than politically correct!

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hellboy

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Re: Von Prüderie und Heuchelei
« Reply #1 on: 2015, 02, 05; 16:59:10 »
https://m.youtube.com/watch?v=-suvkwNYSQo

Stephen Fry, philosopher.

ahoy
hellboy
« Last Edit: 2015, 02, 05; 17:01:04 by hellboy »
Darwin was wrong.                   i'd rather be morally right
Man is still an ape.                   than politically correct!

hellboy

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Terror beginnt in Kirchen, Moscheen und Tempeln. Religionen haben der Menschheit nur Leid, Not, Krieg und Terror gebracht. Es kann deshalb nichts Perverseres geben als für Frieden zu beten.

Fundamentalismus und radikaler Glaube sind kein Vorrecht des Islam. Wer sich das hier ansieht, wird Schauriges entdecken: Das nicht nur in den USA an Zulauf gewinnende martialische Christentum ist Thema des oscarnominierten Dokumentarfilms von Rachel Grady und Heidi Ewing:

Quote
Jesus Camp

Die drei amerikanischen Kinder Levy, Rachael und Tory nehmen im Sommercamp “Kids on Fire” in North Dakota teil. Dort werden sie auf den Glauben an Gott, Präsident Bush und die alleinige Wahrheit gedrillt. Pastorin Becky Fischer organisiert das Lager, in dem 5- bis 12-jährige Teilnehmer von Erweckungspredigern der evangelikalen Bewegung mit suggestiven Methoden zur “Armee Gottes” ausgebildet werden. Denn Fischer sieht in ihnen die Anführer einer politisch-religiösen Erneuerung der Vereinigten Staaten.

https://youtu.be/NAxe-ua6xDM


MARIA WIESNER schreibt dazu in der FAZ:

Quote
Wer an Gott glaubt, glaubt auch an Aschenputtel

Kinder können sehr gut zwischen Fakten und Fiktionen unterschieden, wenn sie eine Geschichte hören. Aber nur, wenn sie nicht religiös erzogen werden, wie eine neue Studie herausfand.

Kinder lernen viel über Erzählungen. Aber können sie auseinanderhalten, ob Aschenputtel oder Tom Sawyer fiktive oder reale Personen sind? Durchaus. Aber nur, wenn ihre Eltern sie nicht religiös erziehen. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie, die in der Fachzeitschrift „Cognitive Science“ erschienen ist.

...

Für die Wahrnehmung von Geschichten als real oder fiktional sei egal, ob ein Kind durch Familie oder Schule mit religiösen Ideen in Kontakt komme, schreiben die Forscher in ihrer Studie. Und sie unterstreichen den „großen Einfluss, den religiöse Ideen darauf haben, wie Kinder zwischen Realität und Fiktion unterscheiden.“ Dies gelte nicht nur für religiöse Geschichten, sondern auch für die fantastischen. Kinder, die an Gott glauben, könnten also auch Aschenputtel für real halten.

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/familie/studie-wer-an-gott-glaubt-glaubt-auch-an-aschenputtel-13082492.html

Nicht umsonst schreibt Sun Tsu in "Die Kunst des Krieges", dass Kriege nicht auf Schlachtfeldern, sondern in Kirchen und Tempeln gewonnen werden. Was er dabei nicht dazusagt ist, dass der eigentliche Grund für die Existenz von Kirchen und Tempeln der ist, Menschen Begründungen und Motivation für Kriege zu liefern.

Keine Religion kann uns jemals vor dem Bösen in dieser Welt beschützen, weil Religionen das Böse in dieser Welt sind.

ahoy
hellboy
« Last Edit: 2016, 07, 27; 02:38:36 by hellboy »
Darwin was wrong.                   i'd rather be morally right
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