Author Topic: Meinungsfreiheit am Arsch  (Read 2654 times)

hellboy

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Re: Meinungsfreiheit am Arsch
« on: 2016, 03, 09; 18:00:55 »
Politische Witzfiguren, Blogs und das Ende der Meinungsfreiheit

Vor kurzem habe ich angefangen, einen Blog auf "Fisch und Fleisch" zu schreiben. Die Plattform hatte einen guten Ruf, weil dort angeblich die Meinungsfreiheit groß geschrieben wurde, und man nicht gleich gelöscht und gebannt würde, wenn man Leuten die Wahrheit sagt. Doch weit gefehlt, bei denen ist es auch nicht anders.


Schon viele Plattformen haben von sich all diese Dinge behauptet, das ist klar. Welche Plattform wirbt schon für sich mit den Worten "wenn du bei uns was schreibst, was nicht konform ist, dann fliegst du raus'"? Macht natürlich niemand, weil ja auch jede Plattform und ihre Betreiber sich für das Maß aller Dinge halten. Und natürlich schreibt auch niemand wenn es so weit ist "du fliegst jetzt raus wegen abweichender Meinung", sondern man überlegt sich was, wie man gut dasteht, so wie Unhöflichkeit, Unsachlichkeit, Respektlosigkeit und all die anderen schönen Umschreibungen für "unangenehme Wahrheit".

Ich habe das schon auf diversen Plattformen erlebt. Ein Beispiel dafür ist "neuwal", ein Portal das angeblich vor Wahlen unabhängig über Parteien und ihre Programme informiert, damit sich die Wähler ein Bild machen und entscheiden können, welche Partei ihnen am meisten zusagt, und welches Programm sie am besten finden. Diese Plattform will aber in Wahrheit garnicht adäquat über die Parteien berichten. Das ist eine Webeplattform für die Parteien, wo sie ihre Propaganda verbreiten können, und wehe dem, der mit der bösen gemeinen Realität daherkommt. Ich musste das erfahren, als ich im Zuge des EU-Wahlkampfes dort bei den Kommentaren auf ein Faktum im Zusammenhang mit der kommunistischen Wählerverarsche "Europa anders" kurz "andas" (ja, peinlich, aber da kann ich nix dafür) auf diverse Ungereimtheiten aufmerksam machen wollte, unter anderem darauf, daß die Piratenpartei nicht wie offiziell behauptet das Projekt mit vereinten Kräften unterstützen, sondern es erheblichen Widerstand dagegen gibt. Dazu wollte ich lediglich eine offizielle Seite der Piratenpartei auf neuwal verlinken, auf der sich etliche Piraten von dem Projekt und der kpö distanziert haben, ich habe das nicht einmal kommentiert. Daraufhin wurde ich wegen einer Beschwerde der parteioberen von Piratenpartei und kpö für die kommentarfunktion von neuwal gesperrt und mein Kommentar wurde gelöscht. Begründung: ich wäre unhöflich und feindselig. Die Wahrheit ist für ein politisches werbeportal also unhöflich und feindselig.

Was das angeht hatte ich bei f&f gerade ein deja-vue. Es begann ja schon damit, daß die Propagandaschleudern des Putinregimes laut aufheulten, als sie plötzlich von mir mit Fakten konfrontiert wurden. Schon da hat sich die Forenmoderaton als Zensurbehörde dieser demokratiefeindlichen Neofaschisten geoutet, und einiger meiner Kommentare gelöscht, obwohl diese nichts als die Wahrheit enthielten. Dann kam kürzlich ein FPÖler namens Jörg Mayer daher, und verzapfte völligen Unsinn über das Thema Drogen. Ich schrieb ihm in die Kommentare zu seinem Artikel einige Fakten und Richtigstellungen, und stellte fest, daß sich jemand der Legalisierung offensichtlich nicht von Entkriminalisierung unterscheiden kann, und noch dazu den völlig nichtssagenden Propagandabegriff "Freigabe" verwendet beim Thema Drogen nicht als Oberlehrer aufspielen, sondern sich erstmal grundlegend informieren sollte. Ich habe ihm sogar einige Links zukommen lassen, die alle relevanten Fakten enthalten. Doch der Mayer wollte das garnicht wissen, er beharrte auf seiner bescheuerten Propagandaposition. Natürlich kam er mir mit all den peinlichen Mätzchen, die sie solchen Wapplern auf der Parteiakademie beibringen: erst die Unterstellung, ich hätte seinen Artikel garnicht gelesen, dann der Hinweis, daß er jus studiert, und sich deshalb doch besser auskennen müsste, und dann kam auch schon "unhöflich". Da lief der gerade noch so angeberische Großkotz zur Moderation und beschwerte sich, daß ich so gemein zu ihm sei, und man mich doch verwarnen sollte. Und die Moderation hat sich auch nicht entblödet, genau das zu tun. Natürlich heißt es jetzt, der hätte sich garnicht selber beschwert, aber das ist ohnehin nebensächlich, was zählt ist, daß ich aufgefordert wurde, nichtmehr auf den Fakten zu bestehen.

Schließlich geriert sich der Jörgi Mayer lauthals als die große Nachwuchshoffnung der FPÖ, so einen darf man doch nicht kritisieren. Schließlich hat der peinliche Politfatzke dann enthüllt, worum es wirklich ging: er ist selber der der Meinung, daß die Position der FPÖ zum Thema Drogen unhaltbar und blödsinnig ist, will das aber nicht öffentlich zugeben, weil er damit seine Parteikarriere gefährdet sieht. Ich habe ihn aber darauf festgenagelt, und von ihm verlangt Farbe zu bekennen. Da musste er natürlich zur Moderation laufen und losheulen: "Taaaaaaanteeeeeehhhh! Dea is gemeeeeeeeeeeeeeeehin!!!!!" Und die Moderation hat sofort Windeln und Babypuder ausgepackt für den unterbelichteten Politschnösel, und mich wegen "Unhöflichkeit" verwarnt. Womit sie nicht gerechnet haben: ich laß mir sowas nicht gefallen. Auch dann nicht, wenn mich der nicht selber gemeldet hat, weil wen anderen geht das doch noch viel weniger an.

Wie ich schon in meinem Artikel "die Diktatur der Nervensägen" geschrieben habe:

Quote
Wer am längsten nervt gewinnt

Das ist die ganz große Gefahr: daß die gewinnen, die am längsten und effektivsten rumnerven, bis alle anderen aufgegeben haben. Ein Kurzzeitminister der FPÖ hat davon auch einmal berichtet, ich weiß leider nicht mehr, welcher das war. Er trat nach kurzer Amtszeit zurück, nachdem er als Quereinsteiger ohne vorherige politische Erfahrrung gleich zu einem Ministeramt kam. Er berichtete, er wäre mit großen Ambitionen und dem Willen wirklich etwas zu verändern und zu verbessern in seine neue Tätigkeit gegangen. Nach kurzer Zeit hatte er allerdings festgestellt, daß man entweder im System mitschwimmt, und versucht seine Schäfchen ins Trockene zu bringen, oder von den Mühlen des Politischen Filz zermürbt wird. Die Menschen die er in der Politik kennengelernt hätte wären großteils Leute denen es nur darum ginge mit möglichst wenig Anstrengung möglichst viel Geld zu verdienen, die jene die nicht mitspielen ausschließen, mobben und schließlich so frustrieren, daß diese aufgeben, und nurnoch teilnahmslos als kleine Rädchen im System funktionieren. Er war davon so angewidert, daß er alles hinschmiss, und verlauten ließ, er wolle mit der Politik nie wieder etwas zu tun haben. Der Mann war Minister, man kann sich vorstellen wieviel Einfluß all die anderen Leute in der Politik wirklich haben, und wie wenig sie tun können, um sich gegen den Druck der Sytemerhalter zur Wehr zu setzen. Was wirklich gemacht wird, wird in kleinen Zirkeln entschieden, den Parteivorständen und den Interessenvertretern der großen Machtblöcke wie dem CV und den Bünden bei der ÖVP, der Logen und Gewerkschaften bei der SPÖ, den Burschenschaften und Verbindungen bei der FPÖ und dem Marxismus-Feminismus-Klüngel bei den Grünen, alle anderen werden dann von deren Handlangern so lange bearbeitet, bis sie allem zustimmen, was dort entschieden wurde. Daß man „für die Politik eine dicke Hat braucht“ hört man immerwieder, daß aber das Ausmaß an systematischem Mobbing und der Anfeindung gegen Abweichler ein solches Niveau erreicht hat, wird selten berichtet, und das ist wohl auch nicht erwünscht. Daraus lässt sich aber auch ableiten, daß die Beteuerungen man wolle etwas gegen die grassierenden Anfeindungen im Internet tun nur vorgeschoben sind, und alles was in diese Richtung unternommen wird auch nur der Gleichschaltung von Meinungen dienen soll.
Gut, daß der FPÖ-Minister nichtmehr als Politiker miterleben muß, wie jemand der sich als Vertreter der selben Partei ausgibt, genau das was er kritisiert ins Extrem treibt. Der Mayer ist sogar zu feige sich selber mit mir anzulegen, er rennt gleich zur Moderation. Und wer die Moderation lange genug nervt, für den wird dann die böse Realität gelöscht, und er kriegt nurnoch die Eier geschaukelt. Wenn der mich wirklich nicht selber gemeldet hat, dann ist das ja noch interessanter. Dann gibt es offenbar einen organisierten Mob, der Menschen mit abweichender Meinung systematisch meldet, um sie zum schweigen zu bringen. Eine Moderation die auf sowas einsteigt, ist ja noch wertloser. Und wenn die Moderation von sich aus die Sprachpolizei spielt, dann hat die Plattform garkeine Existenzberechtigung, schon garnicht wenn sie sich als Hort der Meinungsfreiheit ausgibt.

Wenn Blogs in denen es angeblich um Meinungsfreiheit geht anfangen im Interesse von Pseudo-Nachwuchspolitikern und selbsternannten Moralaposteln normalen Bürgern den Mund zu verbieten, weil sie sich nicht unterwürfig genug geben, dann ist das mal wieder der Anfang vom Ende eines gut gemeinten Projektes, dann ist das einzig relevante was geschrieben wurde die Schrift an der Wand: mene, mene, tekel! Noch eine Plattform auf der das politische Establishment seine Propaganda ungestört verbreiten kann braucht absolut niemand!

ahoy
hellboy
« Last Edit: 2016, 03, 09; 19:32:29 by hellboy »
Darwin was wrong.                   i'd rather be morally right
Man is still an ape.                   than politically correct!