Author Topic: Zur Lage der Partei  (Read 1275 times)

hellboy

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Re: Zur Lage der Partei
« on: 2014, 12, 03; 00:53:53 »
Blick hinter die Kulissen der Piratenpartei: Interview mit @piratsimon

http://tarnkappe.info/blick-hinter-die-kulissen-der-piratenpartei-interview-mit-simon-lange/

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Leider ging man den bequemen Weg der Konfliktvermeidung weshalb sich die informellen Strukturen derart festigten, dass diese irgendwann begannen systematisch formelle Strukturen zu besetzen. Über diese Entwicklung habe ich auf meinen Blog immer wieder mal geschrieben. Zwar erreichte ich einige, aber die Entscheider in unserer Partei haben leider all zu oft ihre persönliche politische Karriere über das Wohl der Partei gestellt und somit nichts getan.

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Die mediale Versenkung ist ein Resultat dieser geduldeten Angriffe gegen Personen aber auch gegen Personengruppen. Gerade der Kampf gegen Personengruppen wurde oft und wird noch immer aktiv als Sippenhaftung veranstaltet. Eine Bürgerrechtspartei welche Sippenhaft nicht nur duldet sondern sogar aktiv betreibt (zuletzt auf der Landesmitgliederversammlung in Berlin), verliert im Kampf um Grundrechte bzw. Bürgerrechte jegliche Glaubwürdigkeit. Unsere Kernwählerschaft hat das auch immer schon an allen möglichen Stellen deutlich herausgestellt. Dennoch fürchtet man im Bundesvorstand bzw. auch in den vielen Landesvorständen mehr das mediale Echo wenn man sich klar gegen solche Missstände öffentlich verhält, als das Echo an der Wahlurne welches bereits jetzt uns für die Tolerierung solcher Vorgänge abstraft.

Unsere politischen Gegner wie auch die Medienlandschaft macht sich allerdings bei einer mittlerweile 1% Partei nicht mal mehr die Mühe und holt diese Fails der Piraten hervor. Diese warten, bis wir wieder 2stellig in den Umfragen sind. Eine mediale Schlacht auf die wir Piraten besser vorbereitet sein sollten und die Zeit bis dahin nutzen sollten unsere Glaubwürdigkeits-Defizite aufzuarbeiten und zu korrigieren.


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Simon Lange: “Politik ist halt keine Spaßveranstaltung”

Tarnkappe: Mit den früheren Idealen haben die Piraten nichts mehr gemeinsam. Wieso bist Du noch immer Teil dieser Partei, brauchst Du den Schmerz?

Simon Lange: Nun ich habe die Partei aktiv mit aufgebaut. Ich habe Unterstützungsunterschriften gesammelt, Infotische organisiert, Strassenwahlkampf geplant und durchgeführt und habe stets versucht in den Bereichen in welchen ich beteiligt war Teamwork und professionelles Arbeiten zu ermöglichen. Gerade mit meiner Konrad Zuse Crew wurden wir wegen der vielen menschenverachtenden Aktionen gegen Mitglieder in der Partei schnell zu einem Schutzraum im Landesverband Berlin. Ich habe sehr oft Menschen Mut zugesprochen, sie ermutigt zu kandidieren oder sich für Beauftragungen zu bewerben, habe mich vor Menschen gestellt und auch für Menschen gesprochen wenn diese Repressalien fürchteten.

Ich habe solchen Menschen eine Verantwortung gegenüber. Ich kann Menschen nicht ermutigen durchzuhalten und dann selber das Feld räumen. Ich habe diversen Menschen versprochen zu bleiben und ich gedenke als Hanseat mein Versprechen zu halten.

Politik ist halt keine Spaßveranstaltung. Politik ist dicke Bretter bohren. Es braucht Durchhaltevermögen, ein dickes Fell und einen starken Charakter. Das kann man zwar kritisieren, aber es ändert leider nichts an dem IST-Zustand. Ich versuche daher das Beste aus jeder Situation zu machen und helfe wie schon immer seit Jahren wo ich kann. In den letzten 2 Jahren zum Beispiel stelle ich eine Menge IT Infrastruktur den wenigen verbleibenden Piraten zur Verfügung, welche noch die alten und erfolgreichen Werte hochhalten.

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Tarnkappe: Werden die Piraten jemals wieder auf Landesebene die 5%-Hürde überschreiten? Wäre das zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt wünschenswert?

Simon Lange: Ich stecke da in einem Dilemma. Einerseits will ich natürlich, dass Piraten wirken und in den Parlamenten mit Sachverstand, Schnauze und kreativen Ideen zum Nutzen der Bürger sich einbringen. Andererseits weiß ich, dass dies bis aus sehr wenige Ausnahmen eine Illusion ist. Viele Kandidaten wie auch viele MdL der Piraten haben weder die charakterliche noch die politische Reife um derartige Aufgaben bewältigen zu können. Es hat sich leider insbesondere in Berlin aber auch in NRW immer wieder gezeigt, dass der Erfolg bei vielen schnell zu Kopf stieg, man die Piraten Werte vergaß und auch jegliche Erdung verlor. Dabei wurden diese MdL genau die Art von Politikern und übten eine Politik aus, welche wir Piraten eigentlich zu Besseren revolutionieren wollten. Der Wähler bekam das mit und wir alle zahlen nun die Zeche dafür. Unvergessen der Filz in Berlin, geplatzte Kondome und antisemitische und Gewalt verherrlichende Statements von Piratenparlamentariern in Berlin und NRW. Landesvorstände die so ein Verhalten dann mit Schweigen quittieren dürfen sich nicht wundern, wenn der Wähler dies dann ebenfalls mit fehlenden Kreuz quittiert.

Also kurz: Ja, ich wünsche mir 5%+ aber bitte erst nachdem die Piratenpartei ihre Authentizität wiedererlangt hat.

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Tarnkappe: Auf deinem Twitter-Profil steht: Keine Macht den Dummköpfen. Was ist damit konkret gemeint?

Simon Lange: Genau das. :) Im Ernst: Oft wurde mir gesagt ich solle bei Konflikten, bei denen es wirklich um etwas ging, zurückstecken um den Konflikt zu vermeiden. Gerne wurde derartiges “garniert” mit dem dämlichsten Spruch aller Zeiten welcher lautet: “Der Klügere gibt nach.” Das ein derartiges Ansinnen dazu in letzter Konsequenz führen würde, dass nur die “Dummen” regieren und das genau das wiederum unsere politische bzw. netzpolitische Realität ist – geschenkt. Daher appelliere dafür, dass man “Dummen” eben nicht das Feld überlässt. Man tritt ihnen entgegen und enttarnt ihre “Dummheit” mittels guter Argumentation. Dabei ist es völlig egal ob diese “Dummen” nun Altparteien angehören oder dogmatische Haßprediger aus den Reihen religiös verwirrter Menschen sind oder diverser rechter Gruppierungen oder irgendwelchen faschistischen Burschenschaften angehören. Man überlässt solchen Menschen nicht die Bühne, sondern man nutzt die Gelegenheit idealerweise vor Publikum deren Halbwahrheiten und billige Propaganda mit Eloquenz und Argumenten zu entzaubern und ihnen ihre Maske herunterzureißen. Das ist zwar anstrengender und unbequemer als plattes distanziertes “dagegen” Demonstrieren aber dafür deutlich nachhaltiger und effektiver.

Das wird Mitgliedern der crew:redemption bekannt vorkommen:

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Tarnkappe: Wieso ist die Zuse Crew bei den Berliner Piraten so verhasst?

Simon Lange: Weil wir wie gesagt die Piraten Werte leben und Beschlüsse die offensichtlich rechtswidrig sind oder gegen die Grundsätze der Piratenpartei verstoßen ignorieren und wir uns als Bürgerrechtler begreifen. Da wir nicht korrumpierbar sind, werden wir halt mit allen Mitteln bekämpft.

Wie sich die Bilder gleichen. Man erkennt ja auch bei der pöpö die Handschrift von Lauer und dem lv-Berlin. Sehr lesenswert, auch das was ich hier nicht hervorgehoben habe.

ahoy
hellboy
Darwin was wrong.                   i'd rather be morally right
Man is still an ape.                   than politically correct!